stefbl
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München, Germany
99%
Wer in Mexiko auf Yucatan Urlaub macht, der wird ihn nach ein paar Tagen mit Sicherheit in den Händen halten einen Prospekt des Öko-Erlebnisparks Xcaret (sprich: Schkarett). Auch wir hatten schon vor unserem Urlaub in diversen Reiseführern und im Internet vom sagenumwobenen Xcaret gelesen und so stand für uns schnell fest, dass ein Besuch dort wohl zum absoluten Pflichtprogramm in Mexiko gehören müsste. Während uns laut Beschreibung dort wunderbare Natur, tolle Flüsse und zahlreiche Tiere erwarten sollten, gefiel uns im Vorfeld nur eine Sache an Xcaret nicht so richtig gut der nahezu unverschämt hohe Eintrittspreis von stolzen 49 Dollar pro Person. Doch nachdem uns die Page http://www.xcaretcancun.c om so richtig Lust auf den Park gemacht hatte, man ja nicht so oft in seinem Leben nach Mexiko kommt und ich außerdem annährend ähnlich hohe Eintrittspreise z.B. vom SeaWorld in Orlando in Florida gewöhnt war, stand für uns fest: Da müssen wir hin! Gesagt, getan zu Beginn unserer zweiten Urlaubswoche in Playa del Carmen war es schließlich soweit.
Die Anreise:
Der Öko-Erlebnispark Xcaret liegt gerade einmal fünf Kilometer südlich von Playa del Carmen und ca. 65 Kilometer von Cancun entfernt. Zwar gibt es von Playa del Carmen eine Busverbindung, doch da unser Hotel ein wenig außerhalb vom Ortszentrum und damit auch vom großen Busbahnhof lag, entschieden wir uns für die Weichei-Methode die Fahrt mit dem Taxi. Da es in Mexiko für Taxifahrten generell Festpreise und keine Taxometer gibt und auch die Zahl der Insassen in dem Fahrzeug keine Rolle spielt, zahlten wir pro Strecke 100 Pesos, umgerechnet etwas weniger als 10 Euro. Natürlich hätte man auch diese Fahrt direkt bei den großen deutschen Reiseveranstaltern im Hotel buchen können dort hätte die Fahrt inklusive Eintritt aber 75 Dollar pro Person gekostet, so dass allein auf die Fahrt 25 Dollar gefallen wären. So waren wir vergleichsweise günstig unterwegs und wurden von unserem Taxifahrer direkt am Haupteingang von Xcaret abgesetzt.
Das Angebot:
Da wir schon im Vorfeld bei unserer Reiseleiterin Tickets gekauft hatten und uns somit das Anstehen an den ohnehin nicht vorhanden Warteschlangen erspart blieb, konnten wir direkt im großen Kassenbereich unsere Zahlungsbestätigung gegen ein Armbändchen tauschen. Dieses Armbändchen gilt für den ganzen Tag, man kann den Park auch ohne Probleme nachmittags verlassen und zu den Abendshows am gleichen Tag noch einmal herkommen. Da sich in Xcaret sehr viel ums Wasser dreht, sind die Bändchen nicht kleidsam, aber immerhin wasserfest. Eine All Inslusive-Leistung wie im Hotel darf in Xcaret aber niemand erwarten. Zwar sind sämtliche Basics (darunter auch die Tour im unterirdischen Fluss etc.) kostenlos doch Essen und Trinken sowie spezielle Angeobte (z.B. Snuba-Diving oder Schwimmen mit Delfinen) müssen z.T. recht teuer zusätzlich bezahlt werden. Dazu werde ich aber später kommen.
Die Aufgabe des Parks Xcaret besteht unter anderem darin, dem Besucher nicht nur diverse Naturschönheiten nahe zu bringen, sondern auch archäologische Highlights. So kommt man direkt nach dem Eingang in einen Museumsbereich, in dem die verschiedenen Maya-Ausgrabungsstätten als Modell nachgebaut sind. Wer weiter über das Gelände streift, der sieht ferner nicht nur kleinere Pyramiden und ein Maya-Dorf, sondern auch den großen Ballspielplatz, wo die Maya zu ihrer Zeit Pelota, das Maya-Ballspiel spielten. Nicht nur, dass bei dieser Sportart der Ball nur mit der Hüfte weitergeschossen werden darf man muss ihn auch noch durch eine Art Stein-Ring befördern, der sich seitlich am Spielfeld befindet. Alternativ gaben sich die Maya aber auch gerne mal dem Feuerball-Spiel hin eine spezielle Huldigung an den Sonnengott, bei dem ein brennender Ball fröhlich hin- und hergekickt wurde.
Der unterirdische Fluss:
Eines der absoluten Highlights in Xcaret ist zweifelsohne der unterirdische Fluss. Badekleidung sollte man bei einem Besuch in Xcaret eh auf jeden Fall dabei haben hier aber kommt sie so richtig zum Einsatz. So ist der unterirdische Fluss stolze 1000 Meter lang und es gilt, diesen schwimmend zu bezwingen. Dazu bekommt man nicht nur eine Schwimmweste (Pflicht!) ausgehändigt, man kann auch seine Rucksäcke, Schuhe etc. in große, wasserdichte Säcke packen, die dann mit einer Nummer versehen zum Fluss-Ausstieg transportiert werden, damit man sie dort wieder in Empfang nehmen kann. Dieser Service ist übrigens kostenlos!
Nun steigt man also hinab ins Wasser laut Anzeigetafel gerade mal 17 Grad warm. Bei den hohen Temperaturen, die normalerweise in Mexiko herrschen, aber eine wunderbare Erfrischung. Nun kann man den Fluss locker entlangschwimmen und passiert so nicht nur Steingewölbe, sondern auch diverse unterirdische Höhlen. Alle 200 Meter schätzungsweise gibt es aber auch Treppen zum Aussteigen aus dem Fluss, so dass jeder, der die 1000 Meter nicht komplett schafft, auch vorher seine Tour beenden kann. Da die Tour durch den Fluss aber schon eine kleine Herausforderung ist, wird Menschen mit Platzangst, Herzfehlern etc. vom entsprechenden Bade-Erlebnis abgeraten. Jeder, der aber gesund ist und schwimmen kann, dürfte den Weg durch den Fluss jedoch ohne Probleme bewältigen können zumal die Schwimmwesten ja auch noch einen Beitrag zur eigenen Sicherheit leisten. Ich muss auf jeden Fall sagen, dass das Schwimmen durch den Fluss eines der schönsten Erlebnisse in Xcaret war, die wir bei unserem Besuch hatten. Dafür hattte sich die Tour auf jeden Fall gelohnt.
Normalerweise gibt es in XCaret noch einen zweiten Fluss, der durch Mangroven-Wälder und durchs Maya-Dorf führt. Leider war dieser jedoch bei unserem Besuch aus welchem Grund auch immer geschlossen schade!
Flora und Fauna:
Flamingos, exotische Vögel, Schmetterlinge und Pumas in Xcaret finden diese Tiere alle ein (künstlich geschaffenes) Zuhause. Hier kann man nicht nur durch einen Mini-Vogelpark wandern, sondern auch ein Schmetterlings-Haus besuchen, Pumas in einem Außen-Gehege beim Sonnen zuschauen oder auch in diversen Mini-Seen und Becken Schildkröten, Rochen und andere Tiere beobachten. Hier allerdings fanden wir einige Dinge vor, die wir doch etwas bedenklich fanden. Während die Schmetterlinge in einem eigenen Haus lebten und nur durch ein Netz unter der Decke vom Davonfliegen gehindert wurden, schien uns die Vogel-Haltung im Vogelpark-Bereich alles andere als optimal zu sein. So saßen die Papageien eher verlassen auf einzelnen Mini-Stangen und hatten auch keine Ausweichmöglichkeit und der Pelikan, der uns begegnete, sah eher zerrupft aus. Liebevoll angelegt war das Gelände auf jeden Fall ob artgerecht, das möchte ich einmal dahingestellt lassen.
Ein weiteres Highlight in Xcaret sollen die Delfine sein, die hier in zwei Becken gehalten werden. Auch hier wurde ich als großer Delfin-Fan ein wenig enttäuscht. Ich weiß nicht, ob man noch von tierwürdiger Haltung sprechen kann, wenn die Delfine in Holzbecken vor dem Davonschwimmen ins Meer gehindert werden und wenn ihre einzige Aufgabe darin besteht, gemeinsam mit den Touristen zu schwimmen. Wer dieses Angebot übrigens nutzen möchte, wird kräftig zur Kasse geben 110 Dollar kostet der 30-minütige Delfin-Spaß. Positiv ist lediglich anzumerken, dass es hier keine dummen Delfin-Shows gibt, wie sie immer noch in vielen Zoos im Angebot sind. Dennoch haben die Delfine in Xcaret auf mich irgendwie einen traurigen Eindruck gemacht. Die Delfine, die ich einige Tage später in freier Meereswildbahn sah, haben mir jedenfalls deutlich besser gefallen
Nur kurze Zeit später musste ich gleich die nächste Enttäuschung erleben. Ich hatte mich so auf die angekündigte Manatee-Lagoon gefreut ein kleines Areal für die riesigen Seekühe, die nach den Delfinen meine Liebings-Meeresbewohner sind. Umso enttäuschter war ich folglich, als ich die Manatee-Lagoon leer vorfand zwar gefüllt mit Wasser, aber ohne auch nur einen einzigen Manatee in Sichtweite. Sollte man die Manatees von ihrer Lagune hin ins offene Meer geschickt haben, so wäre dies sicherlich in meinem Sinne. Kurz besucht hätte ich sie dennoch gerne.
Ein größerer Teil in Xcaret ist auch der Natur gewidmet. So wanderten wir dort durch ein wirklich schönes kleines Wäldchen, in dem verschiedene Palmen-Arten gezüchtet wurden. Eher unspektakulär dagegen das Orchideen-Haus hier hatte nämlich keine einzige Orchidee auch nur eine Blüte. Genauso fehlte uns irgendwie der intellektuelle Zugang zur Pilz-Züchtung, wo man weißen Pilzen beim Wachsen zuschauen konnte in einem Gewächshaus, wohlgemerkt! Interessanter war es da schon, den benachbarten Aussichtsturm nach oben zu fahren. Hier offenbarte sich uns ein schöner Blick auf den Dschungel und das immer noch phantastische Blau der Karibik.
Bade-Spaß in Xcaret:
Ein weiterer Teil von Xcaret ist hauptsächlich für die Entspannung und Erholung gedacht. An der Meerseite wurde deshalb eine wirklich wunderschöne Lagune angelegt mit zahlreichen Sonnenschirmen, Liegen und Hängematten. Wer will, der kann sich hier auf gelben Luftkissen über das Wasser gleiten lassen oder in der Nachbar-Lagune schnorcheln. Wer keine eigene Ausrüstung hat, der kann sich die Schnorchel-Ausrüstung für knapp 10 Dollar leihen zu teuer, wie wir fanden. Dazu kommen noch 15 Dollar Kaution, damit niemand die Ausrüstung mit nach Hause nimmt. Seine persönlichen Wertsachen kann man übrigens an mehreren Stellen des Parkes in Schließfächer einschließen. Auch hierfür wird noch eine kleine Gebühr fällig, diese war aber mit ca. zwei Dollar nach meinem Ermessen noch gerade so tragbar.
Wer sich fürs Schnorcheln interessiert, der sollte dies in Xcaret ruhig einmal ausprobieren es gibt einiges zu sehen. Da wir aber keine der teuren Ausrüstungen leihen wollten und zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wussten, wie faszinierend die Welt unter Wasser ist, verzichteten wir darauf.
Was den Strand-Teil von Xcaret angeht, so muss ich sagen, dass dieser wirklich schön gestaltet war. Allerdings waren wir nicht in den Park gekommen, um uns dort in die Sonne zu legen denn das konnten wir in unserem Hotel genauso haben. Also nutzten wir die Zeit lieber, um noch ein wenig mehr auf Entdeckungstour zu gehen.
Shows in Xcaret:
Was dieses Thema angeht, so wird Xcaret dann doch wieder interessanter. Bereits am Nachmittags gibt es verschiedene Shows (Maya-Tänze, mexikanische Folklore, die Reiter-Show, Indianer-Tänze), doch wirklich interessant wird es erst am Abend ab 19 Uhr, wenn im großen Theater die große Abendshow stattfindet. Hier bringen über 100 Darsteller die Geschichte der Maya auf die Bühne mit lebendigen Tieren, die auftreten, schöner Musik, toller Kostüme etc. Sogar die Maya-Ballspiele nebst Feuerball-Einlage werden hier umgesetzt was wirklich beeindruckend zum Zuschauen ist. So muss ich sagen, dass die Abend-Show wirklich eines der Highlights des Xcaret-Besuches war, die den hohen Eintrittspreis zumindest wieder annährend rechtfertigt. Dieses Angebot (in den 49 Dollar inbegriffen) sollte man auf jeden Fall nutzen.
Die weiteren Shows, die wir gesehen haben (Indianer-Tänze etc.) waren durch die Reihe sehr nett, aber auch nicht sonderlich spektakulär. Ein oder zwei sollte man sich davon schon bei einem Besuch anschauen, damit reicht es aber auch.
Essen, Trinken, Shopping:
Wer Xcaret besucht, der sollte sich auf jeden Fall etwas zu Essen mitnehmen. Nicht nur die Speisen sind überzogen teuer (Hamburger mit Pommes 7 Dollar), die Getränke sind es auch. So habe ich für eine Dose Cola 19 Pesos (ca. 1,90 Euro) gezahlt, eine 1L-Flasche Wasser kostete 25 Pesos (2,50 Euro). Die obligatorischen Souvenir-Shops findet man in Xcaret auch an jeder Ecke hier gibt es vom Badetuch über den Stoff-Delfin bis hin zur Unterwasserkamera wirklich alles, was das Touristenherz begehrt. Da jedoch auch hier die Preise einfach überzogen waren, konnte das Angebot mich noch nicht mal annährend in die Versuchung führen, etwas zu kaufen
Zusammenfassung und Fazit:
Xcaret ist auf jeden Fall vielseitig wenn auch nicht immer sonderlich erfüllend. So konnte ich in meinem Bericht hier auch nur die wesentlichen Highlights grob anreißen, während es bei einem Besuch dort sicherlich noch viel mehr zu entdecken gibt. Wer sich einen genauen Überblick über das Angebot machen möchte, dem empfehle ich einen Besuch der Internet-Page www.xcaretcancun.com Hier gibt es nicht nur übersichtliche Pläne, sondern auch ausführlichere Infos zu den Angeboten vor Ort.
Alles in allem muss ich jedoch sagen, dass mich der Besuch in Xcaret ein wenig enttäuscht hat bzw. ich einfach mehr erwartet hatte. Während das Schwimmen im unterirdischen Fluss grandios und lohnenswert war und sich auch die Abendshow ohne jeden Zweifel sehen lassen konnte, so war mir der Rest in Xcaret doch einfach zu künstlich und zu steril. Ein paar Tiere, ein paar Pyramiden, das Maya-Dorf alles auf jeden Fall nett, aber nichts, was einen in die pure Begeisterung stürzen lässt. So ist in meinen Augen nicht nur der Eintrittspreis schlicht und ergreifend überzogen die Nebenkosten, die noch vor Ort entstehen, sind es sowieso.
Aus diesem Grund würde ich jedem Besucher von Mexiko empfehlen, sich den Besuch in Xcaret doch wirklich gut zu überlegen. Schön ist es da schon, ohne Zweifel, aber empfehlenswert? Da gibt es Schöneres auf Yucatan. Sollte jemand wirklich komplett gegenteiliger Meinung sein, dann würde ich mich über einen Kommentar sehr freuen. Allen anderen viel Spaß in Xcaret oder eben auch nicht.
stefbl, 13. April 2005
(Erstveröffentlichung bei ciao im Juni 2004)