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Pulau Bawa
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Pulau Hinako
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Der gefährliche Südseetraum (21.07.2007)
leo56
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Rosenheim, Germany
Heute fahren wir zur Insel Pulau Bawa. Die Insel gehört zu den westlich der Insel Nias gelegenen Hinako-Inseln. Surfer kennen diese Insel, da dort schöne hohe Wellen entstehen, unter denen sie fast wie auf Hawaii auf ihrem Surfbrett hindurchfahren. Ich habe diese Insel für unsere Planung jedoch aus einem anderen Grund vorgesehen: Ursprünglich wollte ich, dass wir die nördlich von Nias gelegenen Banyakinseln besuchen, da es ein Naturreservat und u.a. wegen der Eiablage tausender Schildkröten berühmt ist. Diese Inseln gehören jedoch zur gerade sehr unruhigen Region Aceh, also musste eine andere Insel her.

Die Hinako-Inseln sind von dem Ort Sirombu im Westen Nias aus ganz gut zu erreichen und außerdem habe ich gelesen, dass es auf der kleinen Insel Bawa einen (süßen) Binnensee gibt, in dem Krokodile (!) leben. Dies wollte ich mit eigenen Augen sehen. Und: wie mögen dort diese Krokodile hingekommen sein, wovon ernähren sie sich? Also habe ich Bawa für unseren Ausflug über die Osterfeiertage eingeplant.

Es ist ein weiter Weg dorthin, obwohl es bis zum Hafen in Sirombu nur etwa 80 km sind. Aber da die Straßenverhältnisse katastrophal sind und wir einige Pausen einlegen wollen, fahren wir gleich nach dem Frühstück los.

Wir fahren eine kurvenreiche, aber landschaftlich sehr reizvolle Strecke mit üppiger tropischer Vegetation und schönen Traditionshäusern, haben dann eine doppelte Reidenpanne und verlieren etwa 3 Stunden. Die letzten Kilometer fahren wir etwas langsamer durch ein Sumpf- und Mangrovengebiet. Wir kommen gegen 15:30 Uhr in Sirombu an und verzichten wegen des Schmutzes auf Essen, trinken nur eine Cola.

Die Menschen auf den Hinakoinseln leben von der Kopragewinnung, schließlich sind die Inseln voller Kokospalmen. Die Kopraherstellung bedeutet eine Zwischenstufe zur Gewinnung von Kokosöl. Zur Gewinnung von Kopra öffnen die Einheimischen mit Buschmessern oder Äxten per Hand jede einzelne Kokosnuss, um das Exocarp (die äußere Schicht der Fruchtwand von dem Endocarp (den Steinschalen) zu trennen. Dann wird zunächst das Nährgewebe der Kokosnuss (Endosperm) zu Kopra getrocknet.
Kopra enthält 65 bis 70 % Öl. Dieses Kopra verkaufen die Inselbewohner. An anderer Stelle wird aus dem Kopra Palmin hergestellt, das zwar bei tropischen Temperaturen noch flüssig ist, jedoch bei Zimmertemperatur weiß und fest wird.

Etwa 16:30 Uhr verabschieden wir uns von unserem Fahrer Iman und lassen uns mit einem kleinen Fischerkahn, in den Bretter als Sitze und Rückenlehnen eingesteckt wurden, zur Insel Bawa fahren. Unsere Freunde sind etwas erschrocken, als sie diesen Kahn sehen, aber für uns ist es sehr abenteuerlich und wir haben wenigstens ein Stoffdach gegen die Sonne. Das Meer ist zum Glück völlig ruhig und wir fahren an etwa 5 winzigen bis kleinen Inseln vorbei. Es sieht hier fast so aus wie in der Südsee. Gitta ist die Fahrt nicht so ganz geheuer. Allerdings bekommt ihr Bootsfahren immer nicht so gut. Diesmal aber wird ihr gar nicht schlecht, sie ist selbst erstaunt. Nach knapp 2 Std. Fahrt legen wir in einer kleinen Bucht auf Bawa an. Die Bucht mit ihren Mangroven sieht richtig romantisch aus. Der Fischer erzählt uns, dass die Wurzeln der Mangroven hier als Zigarettenersatz verwendet werden.

Zu Fuß geht es jetzt zunächst durch ein kleines islamisches Fischerdorf in der Nähe des Hafens und anschließend etwa 30 Minuten durch einen dichten Primärwald quer über die Insel. Pulau Bawa ist die größte der insgesamt 9 Hinako-Inseln mit 2 x 4 km Fläche, hat aber nur 660 Einwohner, von denen wir jedoch höchstens 30 sehen. 660 erscheint uns sehr hoch.

Die gesamte Insel hat die Form einer Niere, in deren innerer Mitte wir mit dem Boot anlegten. Dann laufen wir, dem Fischer hinterher, südlich durch das kleine islamische Dorf in Ufernähe und anschließend durch einen ursprünglichen Wald, einen Primärwald, etwa 40 Minuten bis zu einer kleinen Touristensiedlung. Etwa in der Mitte des Weges verzweigt der Weg; später erfahren wir, dass es dort zum Bawa Village geht, wo die meisten Einwohner der Insel leben. Hier sind 7 Bungalows für Touristen erbaut worden, die meist aus Australien hierher zum Surfen kommen. Ich entdecke einen Gürtelfischer, der hier auch an den folgenden Tagen regelmäßig nach Futter (Fische, Krebse, Amphibien, Reptilien) Ausschau hält. Er gehört zur Familie der Eisvögel (Ordnung der Rackenvögel) und lebt eigentlich in Amerika und der Karibik.

Für uns sollten zwei saubere Hütten mit jeweils einem eigenen Bad reserviert sein, aber nun wird uns nur eine Hütte mit Bad angeboten. Für uns bucht die Reiseleiterin Roos dann eine Doppelhütte in der Mitte der reihe, damit auch sie ein Bad erhält.

Wir haben, wie es bei solchen Reisen in Asien üblich und angebracht ist, jeder ein großes Bettlaken dabei, in das wir uns auf dem Bett einwickeln. Dennoch sind früh beide Füße zerstochen oder zerbissen. Der Strand und die ganze Natur hier auf der kleinen Insel sind jedoch idyllisch schön und wir genießen die Abkühlung im Meereswasser. Gerd und Adi bekommen von der Wirtin je einen Strohhut gegen die Sonne und wie die drei da so verloren am Strand stehen, kann ich nicht anders: ich muss es fotografieren.

Wegen der Korallenbänke baden wir nur vorsichtig und weil es hier so flach ist teilweise in der Hocke; denn auch außerhalb der Korallenbänke ist das Baden durch die hohen Wellen, die mit immenser Kraft auf die Korallenbänke treffen, für uns zu gefährlich.

Zwischen den Korallen beobachten wir eine Vielzahl winziger blauer Fische. Bei Ebbe ist eine riesige durchgehende braunschwarze Korallenbank sichtbar.

Unter diesen riesigen Wellen hindurch surfen ein Franzose und zwei Australier täglich mehrere Stunden lang. Wir genießen es, dieses Schauspiel zu beobachten. Es ist sehr gefährlich, aber die Drei sind keine Anfänger. Auf einmal bricht das Surfbrett des Franzosen und wird ohne ihn an Land gespült. Die beiden Australier sind gerade nicht im Wasser und rennen schnell an die einzige begehbare Stelle, wo in einer Breite von weniger als 1 m keine Korallen sind. Der Franzose schafft es aber aus eigener Kraft etwa 20 min später, an Land zu kommen. Das kaputte Surfbrett erhält seinen Platz am Strand neben drei anderen.

Wir beobachten am Strand auch Silber-Reiher und einen sehr dunklen Graureiher.
Silberreiher haben ganz weißes Gefieder und schwarze Beine und Füße. In der Brutzeit entstehen lange Federn am Rücken, die über den relativ kurzen Schwanz hängen. Reiher jagen allein oder in kleinen Gruppen. Beim Fischen stehen sie dicht am Wasser und beobachten die Fische, bevor sie blitzschnell zupacken.

Am nächsten Tag wollen wir uns Bawa Village anschauen und lassen uns von der Wirtin einen Plan zeichnen, damit wir uns nicht verlaufen.

Für Sonntag haben wir vor, den See, der gleich gegenüber der Bootsanlegestelle liegen muss, aufzusuchen. Er kann ja nicht sehr groß sein, da die ganze Insel an der längsten Stelle in 2 Stunden durchquert ist. Als unsere Wirtin von dem Plan erfährt, ist sie sehr erschrocken und möchte uns davon abhalten.

Sie spricht erstaunlich gut englisch und sagt, es sei sehr gefährlich. Einheimische würden gar nicht mehr dorthin gehen, da die Krokodile einige Fischer gefressen hätten.

Als sie merkt, dass wir ihr nicht so recht glauben, spricht sie von Hala Hale und wir meinen, es sei irgendein Aberglaube, der die Inselbewohner zurückhält.

Später erzählt uns Bernd, dass Hale Hale kein Aberglaube ist, sondern dass durch organische Abfälle rund um den See so viele Gase unterirdisch entstanden, dass die Wege absacken können, sobald sie ein Mensch betritt. Selbst Calvin sei dort schon einmal "abgetaucht", jedoch von Bernd gerade noch herausgezogen worden. Und das wird "Hale Hale" genannt.

Na prima, und dort lässt du uns hinfahren?! Und das auch noch mit einer so dummen Person wie Roos! Nur gut, dass uns unsere Wirtin abriet.

Nun geht es aber zum Bawa Village. Roos geben wir frei, sie ist sowieso eher ein Hindernis für uns. Als erstes begegnet uns eine Sau, die hier einfach durch den Wald stöbert. Sie ist genauso erschrocken wie wir, dreht sich um und rennt davon.

Sie sieht fast aus wie eine wilde Sau, hat eine Art Fell, das am Kopf und Hals schwarz und ansonsten weiß mit schwarzen Tupfen gefärbt ist und ist sehr groß. Eine ähnliche Sau sahen wir schon während unseres Besuches bei einer Bataker - Familie auf Nordsumatra.

Dann kommen wir ins Dorf, das ähnlich angeordnet ist, wie ich es mir auch für ein kleines Dorf in Europa vorstellen kann. Die Kirche steht ganz hinten, jedoch sofort im Blickfeld für jeden Besucher. Rechts und links eine kleinen Lichtung davor sind die Häuser gebaut.

Alles wirkt so schön zeitlos, wie kurz nach der Missionierung. Wir fühlen uns mindestens um Jahrzehnte zurückversetzt, wie Entdecker. Damals hätten wir es evtl. nicht überlebt, aber heute sind die meisten Bewohner sehr offen und freundlich uns gegenüber. Ein etwa 14jähriger Junge kommt uns mit blondierten Haaren entgegen und lässt sich von mir bereitwillig fotografieren.

Einige der Frauen jedoch nehmen Reißaus und beobachten uns verstohlen aus ihrem Versteck heraus. Nur gut, dass wir nicht auch noch blond sind.

Die katholische Kirche von Bawa Village schauen wir uns an, während uns die Bewohner des Dorfes neugierig betrachten. Wir grüßen alle mit Ja'ahowu und werden genauso freundlich zurück gegrüßt. Dann kommt der "Kapitän" des Fischerbootes und schließt uns die Kirche auf.

Sie ist natürlich (Gott sei Dank) nicht annähernd prunkvoll wie unsere katholischen Kirchen, aber dennoch eine Art "Juwel" für die Bewohner. In einer der Hütten sonnt sich eine rötliche Katze, aber Hunde sehen wir nicht.Dann gehen wir auch schon zurück, den Weg finden wir leicht. Unterwegs liegen überall ganze Berge aufgeschlagener Kokosschalen, mit und ohne Inhalt. Scheinbar war die "Ernte" für die diesjährige Kopragewinnung nicht so gut. Kokospalmen wachsen vorwiegend am Waldrand, im Inneren existiert nach wie vor der Primärwald. Kein Mensch hat jemals in diesem Wald "nachgeholfen", indem er Bäume gefällt oder nachgepflanzt hat. Wir gehen lieber nicht vom Wege ab; denn es ist ein so undurchdringlicher Dschungel mit allen Gefahren für unerfahrene Europäer.


Am Nachmittag des Ostersonntag hat Gerd plötzlich eine Schwellung unterhalb des rechten Knies. Eine Wunde am Bein ist nicht zu sehen. Wir setzen uns nach dem Abendessen zum Kartenspielen vor die Hütte von Adi und Gitta. Plötzlich sieht Adi am Dach eine Maus oder Ratte. Wir haben sie auch gesehen, beruhigen ihn aber, da wir wissen, wie er auf Mäuse reagiert. Plötzlich sagt Gerd, er sieht nicht mehr gut und mag ins Bett gehen. In der kommenden Nacht bekommt er plötzlich starken Schüttelfrost, hohes Fieber, wahnsinnige Kopfschmerzen, Erbrechen und Kreislaufprobleme. Dabei klappert er mit den Zähnen, wie ich es noch nie in meinem Leben erlebt habe.

Unsere Reiseleiterin spielt lieber Karten bei den Nachbarn, aber ich kann mich soweit verständigen, dass wir endlich gegen 16:00 Uhr aufbrechen. Roos meint nun, das Auto zu chartern, sei doch kein Problem. Wir kennen uns langsam nicht mehr aus und wissen auch nicht, wem wir überhaupt glauben sollen. Es gibt noch einen massiven Streit zwischen Roos und der Wirtin, warum wissen wir nicht, da wir nicht niassisch sprechen.

Nun laufen wir los; das Gepäck und Gerd werden mit dem Moped gefahren; wir haben Angst, Gerd könnte herunterfallen, da es ihm sehr schlecht geht. Aber alles geht gut. Wir zahlen den Mopedfahrer und steigen ins Boot.

Gegen 19:00 Uhr sind wir in Sirombu, auch hier heißt es wieder laufen und Gerd wird gefahren. Bereits 19:45 Uhr hat Roos einen kleinen Bus aus Gunung Sitoli gefunden, der zurückfährt und uns mitnehmen wird. Sie sagt, der Fahrer wolle nur noch schnell etwas essen. Wir sollen auch essen, aber uns ist nicht danach zumute, noch dazu stehen wir wieder vor dem gleichen schmutzigen Lokal wie bereits vor 3Tagen. 21:00 Uhr werde ich ungehalten und fordere sie auf, sofort den Fahrer samt Bus zu holen. Dann fahren wir los und kommen gegen 0:30 Uhr an. Bernd und Calvin erwarten uns schon und Gerd wird mit Antibiotika und Salbe versorgt, da er im Bein offensichtlich eine Infektion hat. Später wird er ambulant im Krankenhaus von Gunung Sitoli, das von dem deutschen Ärzte-Ehepaar Thomson aufgebaut wurde, die hier bis Ende der 70-er Jahre arbeiteten, gut und richtig behandelt.


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