Weppi44(50)
Berlin, Germany99%
Ein Traum meines Mannes war es schon lange, einmal eine Reise in die Schweiz zu unternehmen und ich war auch nicht abgeneigt, dieses schöne Land einmal zu besuchen.
Deshalb buchten wir eine Bus-/Städtereise in die Schweiz und zwar für Ende September 2009. Der Aufenthalt in der Schweiz belief sich auf 6 Tage und so verbrachten wir die Hinfahrt wortwörtlich im Bus, aber mit vielen Pausen. Insgesamt sind wir ca. 971 km von Berlin-Ostbahnhof gefahren, das hätten wir ja auch ausgehalten, aber dazwischen kamen aber leider noch zwei Staus, die uns mindestens 1 1/2 Stunden gekostet hatten. Ein kurzer Anruf von der Reiseleitung im Hotel Löwen aber genügte, damit die Mitarbeiter im Hotel über unsere verspätete Ankunft Bescheid wussten und sich so mit dem Abendessen darauf einstellen konnten. Jedenfalls waren wir fix und knülle, das kann sich bestimmt jeder vorstellen.
Im Dunkeln kamen wir leider erst im Berner Oberland, in der Zentralschweiz an, somit hatten wir am selben Tag nur noch wenig von unserem zukünftigen Aufentshaltsort sehen können. Trotzdem waren wir froh, endlich aus dem Bus auszusteigen und unsere Koffer in Empfang nehmen zu können. Alles ging dann ganz fix. Mein Mann ging an den Tresen und ich passte solange auf die Koffer auf. Er nannte unseren Familiennamen und bekam einen Schlüssel mit grüner Kennzeichnung, denn es gab außerdem noch rote und gelbe Kennzeichnungen. Das hing damit zusammen, dass ein und dasselbe Haus in drei verschiedene Anbauten gab die unterschiedlich aufgeteilt waren, wieso und warum, dass kann ich nicht sagen, sicherlich war es nur wichtig für das Personal. Wir hatten jedenfalls den "grünen Bereich" mit der Zimmernummer 228 zugeteilt bekommen.
Also der Schlüssel war schon mal unser und ab zum Fahrstuhl. Der Fahrstuhl war sehr klein, also ihr müsst euch vorstellen, zwei Personen (normal gebaut) hatten mit zwei großen Koffern geradeso Platz. Nun ja, das ging trotzdem alles sehr schnell. Ich hatte mich beim ersten Mal richtig erschreckt, als der Fahrstuhl losfuhr. Wir kennen es eigentlich nur so, dass noch eine Schiebtür zugeht, bevor der Fahrstuhl sich in Bewegung setzt. Nein, hier war es anders. Wir drückten auf den Knopf für die entsprechende Etage und auf der Stelle ging es sofort los ohne Vorwarnung und zack waren wir oben. Eigentlich kann man den Fahrstuhl auch als eine Art "Paternoster" bezeichnen.
Nun gut. Auf dem Flur waren wir schon mal. Der Flur ist mit Teppichboden ausgelegt mitsamt den Treppen. Wir mussten noch durch einen Durchgang laufen, der zu unserem Zimmer führte. Da wir ja Rollen an den Koffern hatten, ging das reibungslos. Alles sah sauber und ordentlich aus. Zumindest was wir mit unseren müden Augen auf den ersten Blick gesehen haben. (Später fanden wir dann Staubflocken an den Decken).
Die Nr. 228 fanden wir schnell. Aufgeschlossen wurde mit einem normalen Schlüssel. Dazu muss ich noch sagen, dass dies ein 3-Sterne-Hotel ist.
Nun zu ein paar Angaben zu unseren 4 Wänden, die wir in den 6 Tagen für uns hatten. Denn unsere Ausflüge fanden immer von dort aus statt, was wir außerordentlich begrüßten:
Gleich links unten war eine Art Holzregal für die Koffer oder Schuhe, darüber befand sich eine Kleiderstange für unsere Jacken usw. Gleich daneben als Anbau befand sich ein großer Kleiderschrank, in diesem waren genug Bügel, was uns sehr gefreut hat. Im Nachhinein waren wir froh, dass wir einen normalen Schrank hatten. Von unserer Reisegruppe hatten wir ein Pärchen, diese hatten einfach nur ein großes Regal ohne Türen. Das war ihr Schrank, unfassbar.
Rechts, gegenüber dem Schrank war das Bad. So etwas hatte ich auch noch nicht gesehen, es befand sich eine Badewanne im Bad. Sehr außergewöhnlich für uns. Aber egal, wir haben sie auch genutzt, warum nicht, obwohl mir und meinem Mann eine Dusche lieber gewesen wäre. Außerdem befand sich im Bad ein Waschbecken, darüber eine Konsole für Kosmetikbedarf und darauf standen zwei Zahnputzgläser zu unserer Verwendung, die man eigentlich in jedem Hotel findet. Darüber war ein Spiegel und darüber eine mit Halogenlicht ausgestattete Badbeleuchtung. Und ich als Frau habe natürlich zuerst nach einer Steckdose gesucht, ihr könnt nicht glauben wie ich gesucht habe, sie war einfach nicht da und mein Gesicht wurde immer länger. Ja was war denn das. Ein bisschen später kam freudestrahlend mein Mann aus dem Bad und hatte die Steckdose gefunden und wollte sie mir erst nicht zeigen und zog mich ein bisschen damit auf. Das macht er zu gerne. Wie Männer eben so sind. Nachdem er sich erbarmte, zeigte er sie mir. Sie war in der Badleuchte links integriert und wir waren heilfroh, dass wir einen entsprechenden Reisestecker mithatten, denn den brauchten wir, schon allein wegen der Spannung. Da hatten wir uns auch vorher im Internet informiert. Dass eine Toilette vorhanden war, brauche ich wohl nicht groß zu erwähnen. Das Bad war ungefähr hälftig hoch gefliest in hellem Braunton. Wir hatten außerdem noch einen Papierkorb aus Plastik für Abfälle unterm Waschbecken zu stehen.
Alles war sehr sauber, da gab es nichts zu beanstanden.
Im Zimmer selber war neben dem Kleiderschrank, der im dunklen Braun gehalten war, ein normaler Tisch (Schreibtisch) und ein etwas kleinerer Tisch vorhanden, unter dem Schreibtisch befand sich eine kleine bescheidene Zimmer-Bar, über deren bescheidenen Inhalt wir sehr geschmunzelt haben, ein Bier, ein Wasser und eine kleine Flasche Sekt, das war schon ein trauriger Anblick. Ein Stuhl gehörig zum Schreibtisch und zwei kleine Sessel standen um die Tische herum. Daneben befand sich ein kleiner Mini-Fernseher, der ein paar Sender aufwies, die wir auch verstehen konnten, ca. 4 bis 5 deutsche jedenfalls. Nun das reichte für den kurzen Aufenthalt ja auch aus, zumindest hatte sich mein Mann über Eurosport sehr gefreut, er ist wie fast alle Männer auch ein Sportfan, vor allem was Fußball betrifft.
Rechter Hand hatte das Zimmer eine Ausbuchtung, die für unsere Schlafgelegenheit gedacht war. Es war ein normal großes zusammengestelltes Ehebett, an jeder Seite befand sich ein kleiner Nachttischschrank, der offen war. Das störte uns aber nicht weiter. Ich schlief am Fenster, mein Mann an meiner Herzseite, so halten wir es noch ganz altmodisch. Jeweils eine Nachttischlampe befand sich an der Wand montiert. Mein Mann hatte noch ein Radio mit Radiowecker. Also eigentlich alles da, was wir brauchten. Trotzdem war alles ziemlich schlicht gehalten, das Holz der Betten und der Schränke einschließlich Tisch sah etwas altersschwach aus aber in Ordnung. Die Matratzen sind das Einzige, über die wir eigentlich kaum gemeckert haben, (außer dass sie hin und herrutschten), sie waren in der richtigen Festigkeit, (nicht zu hart und nicht zu weich). Geschlafen hätten wir ja dort wie Gott in Frankreich, wenn nicht morgens der Straßenlärm, so ab 5 uns regelmäßig geweckt hätte.
Das Hotel liegt unmittelbar an einer stark befahrenen Straße. Wir hatten unser Zimmer zwar seitlich, aber es war nicht möglich, das Fenster morgens noch aufzulassen, man hatte das Gefühl, das Auto fuhr durchs Zimmer. Mit geschlossenem Fenster hatte man zumindest die Möglichkeit, noch ein bisschen zu Schlummern, aber mit laufenden Unterbrechungen. Schon allein, dass wir jeden Tag viel unterwegs waren und sehr früh wieder raus mussten (was wir auch gern getan hatten), wollten wir eigentlich wenigstens einigermaßen schlafen. Das ist ein Punkt, den ich sehr bemängeln tue, ein Doppelfenster wäre hier von äußerster Notwendigkeit gewesen. Nein wir hatten nur einfaches Fensterglas.
Was uns für den mittelmäßigen Schlaf aber ein wenig entschädigte, war die herrliche Umgebung. Wir wachten auf und sahen zuallererst die Berge und die Sonne. Die Sonne hatten wir außerdem die ganze Woche lang, nun ja, wenn Engel reisen, sage ich da nur.
Im Reiseprospekt hatte ich meinem Mann vor unserer Reise vorgelesen, dass die Schweizer bekannt sind für sehr gutes Essen. Darauf waren wir dann beide auch sehr gespannt. Leider wurden wir hier sehr enttäuscht. Vielleicht wäre es uns in einem Hotel mit höherer Sternenanzahl besser gegangen, das wissen wir leider nicht. Wenn ich jetzt verrate, was es zum Beispiel am ersten Abend gab, dann werdet ihr bestimmt sagen, na was regt die sich denn auf. Also es gab:
Als ersten Gang: Graupensuppe mit Toast und Pilzen (Pilze auf Toast),
Als zweiten Gang: Pangasiusfilet mit Spinat und Kartoffeln,
Als dritten Gang: Sorbet bestehend aus Himbeere und Zitrone (zumindest geschmacklich).
Hört sich lecker an nicht?
Bei der Graupensuppe dachte ich, jetzt bin ich in meiner Mutters Kindheit zurück, denn nach dem Krieg gab’s ja kaum etwas zu essen, aber geschmacklich ging’s. Welche Brühe es war, war nicht zu definieren (wir hatten aber Hunger, es war ne lange Fahrt). Der Toast war wahrscheinlich schon ne Weile vorgetoastet (na ja, Großküche) und das mit den Pilzen schmeckte ein bisschen nach den bei uns zu kaufenden Büchsengullasch, halt nur mit Pilzen, die tatsächlich auch drin waren.
Wir saßen zu Viert an einem Tisch mit sehr netten Tischnachbarn. Vielleicht lesen diese ja hier zufällig, dann von mir ganz liebe Grüße, es war sehr nett mit euch und sehr lustig. Jeder Tisch hatte in der Mitte eine Art Wärmeplatte bekommen, auf der dann auch die entsprechende Anzahl von Tellern vorhanden war. Auf dieser Wärmeplatte wurde dann das Pangasiusfilet mit Spinat und Kartoffeln serviert. Das hieß, so wie es beim "Chinesen" in Deutschland auch ist, jetzt kann sich jeder seinen Teil herunternehmen. War ja gar nicht so schlecht, wenn es denn auch so gemundet hätte. Das Filet war schon zu lange, (wir waren ja auch später angekommen) im Ofen, jedenfalls war es sehr trocken, der Spinat war entsprechend lange aufgehoben, aber ging und die Kartoffeln auch. Da aber alles nicht mehr frisch serviert wurde, machten wir alle trotz Hunger lange Zähne.
Was ging, war das Sorbet. Es schmeckte zumindest nach Himbeere und Zitrone, und zwar nicht zu knapp.
Das mit dem Essen war nur der erste Abend. Aber es wurde nicht viel besser. Am dritten oder vierten Abend jubelte ich. Salat, wir bekamen etwas Grünes zu Gesicht. Endlich mal etwas Frisches. Aber nicht nur ich jubelte, auch unsere Tischnachbarn, auch mein Mann. Denn wir beide essen sehr gern mal einen Salat, ob als Vorspeise oder danach. Ansonsten können wir aber keinen Abend besonders hervorheben. Es ist eben ein Hotel mit nur drei Sternen. Da kann man wohl nicht mehr verlangen. Oder sind wir zu anspruchsvoll? Kann ja sein, jedenfalls hat uns keines der warmen Mahlzeiten vom Hocker gerissen.
Das Personal ist mit einer einzigen Ausnahme sehr freundlich und hilfsbereit gewesen, an einem Abend war unsere Wärmeplatte nicht warm, wir bekamen eine neue - auch wenn die anderen schon fast fertig waren mit dem Essen, aber sie kam.
Da wir immer sehr spät heim kamen, konnten wir in den Banken, die im Ort waren nicht mehr Geld umtauschen. Wir brauchten noch ein wenig Euro, da unsere Reiseleitung gern für eine Sehenswürdigkeit die Bezahlung in Euro haben wollte. Wir hatten natürlich nicht genug, vielleicht hätten wir zu Hause mal besser nachrechnen sollen, wir hatten eben nur Schweizer Franken, so ein Mist. Ich kam auf die Idee, dass mein Mann doch mal unten am Empfang fragen könne, ob sein Hotel uns etwas tauschen könnte. Irgendwie hatte ich schon mal gehört, dass es so etwas gibt. Der Mann, der dort stand, leider weiß ich seinen Namen nicht, jedenfalls schien es jemand zu sein, der dort doch schon ein bisschen mehr zu sagen hatte, hörte sich unser Anliegen an. Er verstand uns zunächst nicht und fragte noch mal nach. Nachdem er uns verstanden hatte, winkte er ganz aufgeregt ab (hatten wir jetzt was Schlimmes gesagt?). Er verwies uns zur Bank. Daraufhin hakte ich noch einmal freundlich nach, dass ich so etwas aber schon gehört hätte, und die Banken haben jetzt schon zu. Darauf hin rannte er aufgeregt zum Ausgang, warum auch immer, und erhob erbost seinen Ton, so laut, dass es uns sehr peinlich war, und betonte noch mal in seiner entsprechenden Lautstärke, dass es so etwa bei ihm nicht gäbe. Wir kamen und vor wie Verbrecher uns schlichen uns kopfschüttelnd davon. Er hatte uns den vorletzten Abend schon ein wenig vermiest. Eine freundliche aber bestimmte Aussage und vielleicht für Ausländer verständliche Begründung hätte es auch getan.
Ansonsten hatte es uns der Ort Lungern angetan. Es ist ein kleiner hübscher Ort mit hohen Bergen, freundlichen Landsleuten, bei denen wir übrigens klasse schmeckenden Alpenkäse gekauft hatten. Er wurde uns in Folie eingepackt und eingeschweißt, so hält er sehr lange frischt und hat die Reise nach Deutschland gut überstanden. Wir wohnten direkt am Lungernsee, der von vielen hübschen Häusern umgeben ist. Die Kuh- und Ziegenglocken höre ich jetzt noch in meinen Ohren klingen, ich würde trotz des Hotels gern dort wieder Urlaub machen.