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Altona - ist ´all to nah´! (08.04.2006)
Ratte
Ratte (33)
Hamburg, Germany
Dreizehn Jahre bin ich im Stadtteil Altona in Hamburg aufgewachsen und ich habe es als interessantes, gemütliches und auch geschichtsträchtiges Stadtteil kennen gelernt.

+++ WO IS N DAT? +++
Das Stadtteil Altona gehört zum Bezirk Altona zu dem auch noch ´Ottensen´ und ´Othmarschen´ gehören.
Altona selbst setzt sich zusammen aus Altona-Altstadt und Altona-Nord.
Das gesamte Altona erstreckt sich von Westen nach Osten etwa von Blankenese bis an die Grenzen von St. Pauli und von Norden nach Süden von Eimsbüttel bis an die Elbe.

+++ GESCHICHTE +++
Bis 1937 war dieser heutige Stadtteil Hamburgs eine selbstständige schleswig-holsteinische Stadt.
Als dann Groß-Hamburg geschaffen wurde, wurde Altona eingemeindet.
Im frühen 16. Jh. war Altona eine Fischersiedlung welche dem schaumburgischen Grafen von Holstein-Pinneberg gehörte.
Ab 1640 gehörte es den Dänen als Teil von Schleswig-Holstein und 1867 wurde es preußisch.
So gab es im Laufe der Jahrhunderte viele Rivalitäten zwischen Altona und Hamburg und fragt man heute einen Menschen der in Altona geboren und aufgewachsen ist neigt er dazu zu sagen er sei ein ´Altonaer´, kein Hamburger.

Zu viel zur geschichtlichen Vergangenheit.

+++ DER NAME +++
Die Herkunft des Namens ´Altona´ ist nicht wirklich geklärt. Es gibt allerdings eine Geschichte die folgendes erzählt:
Einst soll es eine Gaststätte gegeben haben welche sich auf Hamburger Terrain direkt vor den Toren der Stadt niedergelassen habe und von den Hamburgern gerne besucht wurde.
Da diese Gaststätte (eigentlich mehr Kneipe) außerhalb der damaligen Stadtmauern kurz vor dem Vergnügungsviertel St. Pauli lag, war sie den Hamburger Ratsherren ein Dorn im Auge denn in so einer Gegend sollte man sich nicht aufhalten.
Sie war schlicht ´all to nah´ (Plattdeutsch, sprich: Allzu nah) an Hamburg gelegen.

So oder so ähnlich kann der Name ´Altona´ entstanden sein.
Allerdings wäre dann der Urbau des heutigen Stadtteils eine Kneipe gewesen .denk.


In Altona gibt es eine Menge zu sehen und so möchte ich hier einige Sehenswürdigkeiten vorstellen:

+++ BAHNHOF +++
Der Bahnhof Altona ist einer der bekanntesten Kopfbahnhöfe.
(Ein Bahnhof in dem eine Bahnstrecke endet und in dem Züge nur aus einer Richtung ein- und ausfahren können.)
Er ist für den Fernverkehr, zur Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofs, Endstation zahlreicher Zugstrecken aus Richtung Süden und Startpunkt für die Linien nach Schleswig-Holstein.
Auch ist er über die Jahre einer Hamburgs größter S-Bahnhöfe geworden und auch ein Hauptbusbahnhof. U-Bahnen fahren hier keine!
Das alte Empfangsgebäude von 1895 wurde 1975 bis 1979 durch ein Neues ersetzt.
Rund um den Bahnhof findet man eine Menge Einkaufsmöglichkeiten.
Östlich die Neue Große Bergstraße eine riesige Fußgänger-, als auch Einkaufzone.
Nach Westen hin kommt man zur Ottenser Hauptstraße (zu ´Ottensen´ gehörig) in der erst vor ein paar Jahren das Einkaufszentrum ´Mercado´ gebaut wurde.

+++ STUHLMANNSBRUNNEN +++
Vom Bahnhof aus Richtung Rathaus / Elbe, am Platz der Republik findet man den bronzenen Stuhlmannsbrunnen.
Er zeigt zwei um einen Fisch kämpfenden Zentauren und symbolisiert die vergangene Rivalität zwischen Hamburg und Altona. 1900 wurde er von einem Künstler namens Türpe entworfen und gebaut.

+++ RATHAUS / PLATZ DER REPUBLIK +++
Das Altonaer Rathaus ist heute Sitz des Bezirksamtes Altona.
Es entstand in den Jahren 1896 bis 1898.
Um 1844 stand hier der Dänische Bahnhof, der Altona-Kieler Eisenbahn, von Gottfried Semper.
Dieser wurde dann später umgebaut weil er als Bahnhof nicht mehr benötigt wurde.
An der Rückfront des heutigen Rathauses kann man noch immer die ehemalige Bahnhofsfassade erkennen.

Mein Tipp:
Wer mag sollte hier mal einen Moment stehen bleiben und genau hin schauen!

Das Giebelrelif des Rathauses ist von Karl Gerbers und Ernst Barlach entworfen.
Vor dem Rathaus steht ein Reiterstandbild Kaiser Wilhelm I (1898, G. Eberlein).
Im Park gegenüber findet sich noch die Statue des ´Schwarzen Steinbocks´ von dem US-amerikanischen Künstler Sol LeWitt. Es soll erinnern an die vom Nationalsozialismus ermordeten Altonaer Juden.

Anstelle der ehemaligen Bahnanlagen findet man heute den parkartig angelegten Platz der Republik.
Gesäumt von der Hauptstraße Max Brauer Allee findet man hier Flanierwege, Zierbeete und Sitzbänke. Mächtige Blutbuchen und Platanen stehen hier schon seit mehr als zwei Jahrhunderten.
Außerdem findet man hier den genannten Stuhlmannsbrunnen sowie einen weiteren riesigen Zierbrunnen mit Wasserspiel.
Im Sommer kann man hier gut Schach und Bottcha spielen, sind auch immer Leute da die sich gerne beteiligen :o)
In den 70ger Jahren wurde die Anlage neu bepflanzt und gegen die Straße hin mit einer Hecke geschützt.

+++ CHRISTIANSKIRCHE +++
Westlich des Rathauses steht die evangelische Christianskirche.
1735 bis 1738 wurde sie erbaut und benannt nach dem dänischen König Christian IV (1577 1648), welcher zu der Zeit als Altona zu Dänemark gehörte dieses großzügig ausbauen lies.
Es handelt sich bei der Kirche um eine im Stil des Barocks gehaltene Saalkirche.
Im 2. Weltkrieg wurde sie stark beschädigt und von 1946 bis 1952 wieder hergestellt.
Original erhalten sind geblieben das Taufbecken aus dem 13. Jh., der Taufengel von 1547, die Turmfahne mit der Jahreszahl 1718 und die barocke Kanzel.
Das vorhandene Glockenspiel umfasst 42 Glocken welche 1938 in Apolda gegossen wurden.

Direkt hinter der ´Christianskirche´ beginnt die bekannte ´Elbchaussee´.

+++ KLOPSTOCK GRAB +++
Auf dem 1758 angelegtem Friedhof der ´Christianskirche´ findet sich das Familiengrab des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 1803) und seiner Ehefrau Meta Klopstock (1728 1758), sowie seiner Tochter Johanna Elisabeth (1747 1821).
Ein schmiedeeiserner Zaun umschließt das Grabmahl an der der Elbe zugewandeten Seite der Kirche. Darüber steht eine uralte Buche.
Die Beerdigung des Dichters glich seinerzeit einer nationalen Huldigungsfeier.
Die sich am Grab befindlichen Grabsteine sind Abgüsse der Originale welche in der Kirche aufbewahrt werden.
Auf Grund dieses Grabes wird die Kirche auch immer wieder fälschlicherweise als ´Klopstockkirche´ bezeichnet. Diese Bezeichnung der Kirche hat sich zwar in aller Munde eingeschlichen, ist aber ein Fehler!

+++ ALTONAER BALKON +++
Es handelt sich hier um eine der, sich hier zahlreich aneinanderreihenden, Grünanlagen welche sich südlich des Rathauses über den Elbuferrand erstreckten.
Von hier aus hat man einen sensationellen Blick über die Terminals des Altonaer Hafens, über die Anfänge des Hamburger Hafens nach Osten und westlich auf die Elbe mit der Köhlbrandbrücke und den Harburger Bergen im Hintergrund.
Hier steht eine Bronzeplastik mit Namen ´Maritim´ (1966, Gerhard Brandes), sie zeigt drei Fischer mit hochgehaltenen Rudern.
In der Kaistraße nahe dem Park steht eine 4 Meter hohe Holzskulptur. 1989 wurde sie von der kroatischen Bildhauerin Ljubica Matulec gestiftet zur Erinnerung an 400.000 Kroaten die über Hamburg in die Neue Welt ausgewandert sind.

+++ RAINVILLE TERASSE +++
Hierbei handelt es sich um eine Aussichtsterrasse hinter der ´Christianskirche´.
Hier steht der Schleswig-Holstein-Brunnen der an die schleswig-holsteinische Vergangenheit Altonas erinnern soll. Er wurde im Gedenken an den schleswig-holsteinischen Dichter M. Fr. Chemnitz und den Komponisten K. G. Bellmann errichtet.
Der hier anschließende ´Rainville Garten´ war in der ersten Hälfte des 19.Jh.s ein sehr gefragtes Ausflugsziel.

+++ PALMAILLE +++
Eine der berühmtesten Straßen Hamburgs neben der Elbchaussee.
Die Palmaille ist eine kurze Prachtstraße zwischen dem Rathaus und der Breite Straße.
Sie geht auf eine Kegelbahn zurück welche Graf Otto V. von Schaumburg 1638 bis 1639 hier angelegt hat. Bestanden hat die Kegelbahn aus drei je 647m langen überdimensionalen Bahnen die schon nach wenigen Jahrzehnten verfielen und im 18.Jh. zu einer Fahrbahn ausgebaut und mit Linden bepflanzt wurde.
Zwischen 1786 und 1825 bebaute der dänische Architekt Christian Frederik Hansen die entstandene Allee mit prachtvollen Wohnhäusern im kolonialen Stil.
Im 2. Weltkrieg wurde ein großer Teil dieser Häuser zerstört, aber die die heute noch stehen vermitteln einen prachtvollen geschlossenen Eindruck der damaligen Baukunst.

+++ FISCHEREIHAFEN ALTONA +++
Unterhalb der Palmaille liegt der ehemalige Fischereihafen Altonas.
Er ist mit dem Altonaer Bahnhof durch einen 920 Meter langen Eisenbahntunnel verbunden.
Im 2. Weltkrieg wurde dieser als Luftschutzbunker genutzt, gedacht war er um Waren von den Schiffen besser zu dem Zügen transportieren zu können.
Heute legen hier keine Fischkutter mehr an. Stattdessen wird der Fisch in Lastkraftwagen angeliefert denn in den Fischereihallen des Hafens finden nach wie vor frühmorgens Fischauktionen statt.
Hier decken sich sämtliche Fischrestaurants der Umgebung mit einheimischen Fischsorten ein.
Die Haupteinnahmequelle des Altonaer Hafens liegt heute in dem modernen neu gebauten Terminals für Kreuzfahrtschiffe.

Mein Tipp:
Was ich an dieser Stelle empfehlen kann ist den ehemaligen Eingang des Tunnels am Elbberg aufzusuchen.
Zwar ist er mit einem schmiedeeisernen, riesigen Gatter versperrt aber manchmal finden hier Führungen statt die wirklich mehr als interessant sind!
Informationen hierzu bekommt man im Stadtteilarchiv Ottensen e.V. (040-3903666)

+++ ELBCHAUSSEE +++
Sie ist eine der berühmtesten Straßen Europas.
Sie zieht sich am Elbufer entlang und zwar von der ´Christianskirche´ bis hoch nach Blankenese.
Schlossartige Villen, Prachtbauten im kolonistischen Stil sowie Parks aus ehemaligem privatem Besitz säumen sie zu beiden Seiten.
1831 wurde sie von wohlhabenden Hamburger Kaufleuten und Reedern angelegt. Diese hatten ihre Landsitze in den Elbvororten gebaut und brauchten eine gute und schnelle Verbindung zu ihren Kontorhäusern in der Innenstadt.
Heutzutage ist das Verkehrsaufkommen in der Hauptverkehrszeit hier leider enorm groß und der tägliche Stau vorprogrammiert.
(Ich hab fast damals in einer Parallelstraße zur Elbchaussee gewohnt und ich kann sagen das hier, grade am Nachmittag, wirklich gar nichts(!) mehr geht!)
Viele der ehemals zu ihren Häusern angelegten Parks bestehen heute noch.
Unter anderen
der Donners Park,
der Rosengarten,
der Schröders Elbpark,
der Hintenburgpark,
der Hirschpark
und Jenischpark
um nur einige zu nenne.
Jeder einzelne davon ist aber wirklich schon! Vor allem den ´Donnerpark´ kann ich empfehlen, denn da findet man u.a. eine riesige Spielwiese und einen wirklich schönen Kinderspielplatz.

+++ ELBUFERWEG +++
Sehr gut geeignet für ausgedehnte Spaziergänge an der Elbe!
Der Elbuferweg beginnt an der ´Palmaille´ und endet in ´Wedel-Schulau´.
Fast die ganze Zeit führt er direkt an der Elbe entlang. Nur ein Teil und zwar 9 km bis Blankenese gehören zu Altona, die gesamte Länge bis Schulau / ´Schiffsbegrüßungsanlage Willkommhöft´ beträgt 15 km.
Also viel Zeit und gute Schuhe mitbringen .lächel.

+++ HELGOLAND - GEDENKSTEIN +++
Zwischen der ´Palmaille´ und der ´Großen Elbstraße´ am Beginn des ´Elbuferwegs´ steht der ´Helgoland - Gedenkstein´.
Er wurde hier errichtet für die 1864 in einem Seegefecht vor Helgoland gefallenen Österreicher.

+++ TRINITATSKIRCHE +++
Sie steht an der Ecke Königstraße / Kirchenstraße.
1743 wurde diese Barockkirche von dem Architekten Cai Dose aus einem ersten Bau von 1650 errichtet.
1690 wurde ein Turm hinzugefügt mit zwei welschen Hauben und wunderschönen achteckigen Laternen. Im 2. Weltkrieg ebenfalls fast gänzlich zerstört wurde sie originalgetreu wieder aufgebaut und bietet heute einen schönen Blickfang am Rande Altonas.

+++ JÜDISCHER FRIEDHOF +++
Nördlich der ´Trinitatskirche´ auf der anderen Straßenseite liegt ein über 400 Jahre alter israelitischer Friedhof mit vielen tausend jüdischen Gräbern.
Es ist sehr bewegend sowie auch geschichtsträchtig hier einen Spaziergang zu wagen.
Er ist einer der ältesten jüdischen Friedhöfe im Norden Deutschlands.

+++ NEUE FLORA / ALTE FLORA +++
Die Neue Flora befindet sich an der S-Bahn-Station Holstenstraße im Stadtteil Altona-Nord.
Sie ist ein Musicaltheater in einem ganz eigenen futuristischen Baustil mit eckigem Eingang und Industriedesign im Inneren.
Am 29. Juni 1990 eröffnet mit einer Aufführung des Musicals ´Phantom der Oper´ von A.L.Webber, spielte dieses bis zum Sommer 2001. In diesen 11 Jahren wurde es von mehr als 7 Millionen Zuschauern besucht.
Ursprünglich sollte das Musical nebenbei in der ´Alten Flora´ am Schulterblatt im Schanzenviertel gespielt werden. Die Bewohner dieses sozial schwachen Viertels hatten allerdings Angst dass durch den Aufwand eine Umstrukturierung ihres Lebensraumes stattfinden würde und besetzten kurzerhand die ´Alte Flora´ um das Musical zu vermeiden. Das Musical wurde umgelegt in das moderne Gebäude ´Neue Flora´ und blieb dort wie schon erwähnt 11 Jahre lang.
Die ´Alte Flora´ blieb im gewissen Sinne besetzt und wurde in ´Rote Flora´ umgetauft.
Heute dient sie als Zentrum alternativer Stadtteilkultur.
Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht :o)

+++ ZEISEHALLE / FABRIK +++
Diese beiden Gebäude sind zwei wichtige Kultureinrichtungen in Altona geworden.
Die ehemalige Schiffsschraubenfabrik dient seit 1993 als Zentrum für audiovisiuelle Medien, sprich Szenedisco. Ein beliebter Anlaufpunkt vieler Jugendlicher und beliebte Konzerthalle kleinerer, aber bekannter, Bands.

+++ Holländische Reihe 23 +++
Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Sätze verlieren zu der Straße, oder besser zu dem Haus, in der/dem ich in Altona aufgewachsen bin.
Erst vor kurzen habe ich in einer Chronik gelesen in was für einem geschichtsträchtigem Haus ich 13 Jahre lang gewohnt habe und nichts davon gewusst, die Holländische Reihe 23.
Die Nummer 23 ist das so genannte ehemalige ´Storchenhaus´.
Es war einst die Nummer 63 und war im Besitz der Familie Pingel die dort einen Milchhandel betrieben. Als das mit Stroh gedeckte Haus abgerissen wurde erbaute man an dessen Stelle ein 4stöckiges Wohnhaus (+ Dachboden).
Im Erdgeschoss befindet sich, auch heute noch, ein Restaurant.
Zur Erinnerung an das ´Storchenhaus´ der Name rührt daher weil auf seinen Zinnen stets eine Storchenfamilie gewohnt hat setzte man an die Westseite des Hauses ein Relief das ein Storchenpaar zeigt.

+++ FAZIT +++
Viel noch könnte man zu Altona schreiben von den nahe gelegenen ehemaligen Stadtmauern, von Straßen, Plätzen und Parks und ihren Geschichten.
Kriegern, Engeln und Teufelsfratzen die überall an Hauswänden, in Statuen und Denkmälern zu finden sind und ihre eigene kleine Geschichte haben.
Oder von der ´Motte´ eine bekannte Tages-, und Erlebnisstätte und ihr Entstehen.
Von Hünengräbern, dem Kirchspiel bis hin zu Modernisierungen der letzten Jahre...



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