Detailed review by Thueringerin
Thueringerin
Eckolstädt, Germany97%
'''FORT ST. JAMES'''
Was ist das Besondere an diesem Fort?
Fort St. James ist die älteste ununterbrochen bewohnte europäische Siedlung westlich der Rocky Mountains. Simon Fraser, nach dem der Fluss benannt wurde, gründete hier im Auftrag der "North West Company" am Ufer des Stuart Lake den ersten Handelsposten auf dem Gebiet der Carrier-Indianer.
Dieses Fort ist mit sehr viel Liebe originalgetreu restauriert worden. Hier wird das Leben in einem recht isolierten Handelsposten in den einsamen Wäldern des Nordwestens eindrucksvoll geschildert.
Wir waren genau richtig, denn im Juli und August gehen die "Einwohner" in historischer Verkleidung ihrem Tageswerk nach. So kann man sich richtig in die damalige Zeit hinein versetzen lassen.
Anfahrt
Von Prince George auf dem Yellowhead Highway kommend fährt man bis zur Abzweigung des Highway 27, biegt hier nach Norden ab und fährt geradeaus bis zum Fort. Diese Sehenswürdigkeit ist sehr gut ausgeschildert.
Adresse
P.O. Box 1148
Fort St. James, B.C.
V0J1P0
Tel. (250) 996-7191
Fax. (250) 996-8566
E-Mail: bob_grillpc.gc.ca
website: www.pc.gc.ca
Historisches
Wie immer war eine solche Besichtigung für mich richtige Arbeit, obwohl ich ja im Urlaub war. Während mein Mann immer mit filmen beschäftigt war, musste ich Notizen machen, übersetzen und so ganz nebenbei auch noch Fotos schießen. Aber das machte so richtig Spaß, man lernte viel Neues und nun habe ich eine gute Grundlage für meinen Bericht.
Lange bevor eine Route gefunden wurde, um den westlichen Teil der Rockies per Schiff vom Pazific und umgekehrt zu erreichen, lebten auf diesem Gebiet die Nak' azdli, ein Indianerstamm. Wie auch heute noch weit verbreitet, ernährten sie sich vom Lachsfang, der ihnen ein Überleben in kalten Wintern sicherte.
Auf ihrem Territorium baute man schließlich diesen Handelsposten.
Zuerst gab man ihm den Namen "Nebenposten Stuart Lake", 1821 erhielt er seinen jetzigen Namen.
Immerhin war dieser Handelsposten bis 1952 aktiv in Betrieb.
Besucherzentrum
Das Besucherzentrum ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Allerdings sind die historischen Gebäude zwischen 12 und 12.45 Uhr für eine Mittagspause geschlossen. Während dieser Pause kann man als Tourist das Café und den Shop besuchen, an historischen Spielen teilnehmen, ins Kino gehen oder die vielen interessanten Dinge im Ausstellungsraum besichtigen.
Eintrittsgebühren
Erwachsene $7.80
Senioren $6.55
Jugendliche $3.90
Familien/Gruppen $19.60
Schulklassen pro Person $3.90
Der Aufbau des Forts
Wir hatten Glück, es hatte gerade eine Führung begonnen. Ein groß gewachsener Mann mit einer recht tiefen Stimme leitete ein Gruppe, der wir uns anschlossen. Alles in englisch......auch für mich war es nicht immer verständlich vom Dialekt und vom Tempo her. Aber den überwiegenden Teil habe ich verstanden. Wir erhielten einen Plan, nach dem der Weg erfolgte.
Das Fort setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:
Allgemeines Lagerhaus und Pelzlager
Fischvorratslager
Männerhaus
Laden und Büro
Murray House
Old Fort Café
Gerberei
weitere Anlagen
Das Lagerhaus
Hier wurden die Handelswaren für Fort St. James und die Nachbarposten gespeichert. Die Pelze wurden zu Ballen gebündelt und gingen auf den Transport. Das Lagerhaus ist noch recht gut erhalten, seine Holzrahmenbauweise war damals üblich.
Das Fischvorratslager
Täuschend echt sahen die getrockneten Fische, die an der Decke hingen, aus. Lachse und Speck wurden hier aufbewahrt. Davon ernährten sich die Leute der Handelsgesellschaft und auch die Indianer. Um Raubtiere fern zu halten steht das Gebäude auf vier Eckpfeilern.
Das Männerhaus
Wieso gab es eigentlich kein Frauenhaus? Ganz einfach, weil es nur Männer gab, die in diesem Handelsposten tätig waren. Bootsbesatzungen, Angestellte der Handelsgesellschaft, Träger, aber auch Besucher wurden damals hier untergebracht. Auch als Schule verwendete man das Gebäude. In den 1930er und 40er Jahren war es ein privates Wohnhaus.
Laden und Büro
Hier fand ein lebhafter Tausch statt. Auch unser Touristenführer spielte mit einem kleinen Jungen ein solches Tauschgeschäft vor. Pelze konnten hier gegen ausgestellte Waren getauscht werden. Je besser und wertvoller der Pelz, desto mehr konnte man tauschen.
Später wurde dieses Gebäude als erstes Postamt der Region benutzt. Wie ich fand, war dieses Gebäude einfach herrlich restauriert, wie in einem alten Western sah dieser Laden aus. Und was es da alles gab.......Nahrungsmittel, Werkzeuge, Decken, Tabak, jede Menge Alkohol.......ich könnte noch viel aufzählen. Alles war fein säuberlich sortiert an seinem Platz gestapelt.
Murray House
Murray hieß der Geschäftsführer dieses Postens. Das Haus ist in den Zustand hergestellt worden, den es 1896 hatte, als Murray hier wohnte. Irgendwo hatte ich einfach den Wunsch, ich hätte zumindest mal für eine kurze Zeit vor mehr als100 Jahren gelebt. Für uns primitiv, aber für die damalige Zeit recht fortschrittlich waren die Zimmer eingerichtet.
Molkerei,Hühnerhof, Gärten und Zäune
Auch hier gab es viel zu sehen. Während die Molkerei als Lager für Käse und milch diente, wurden die Hühner wegen der Eier, aber auch als Fleischlieferanten gehalten. Man hatte auch Milchkühe, Schlachtrinder, Pferde und Esel als Lasttiere.
Große, aus Baumstämmen gefertigte Palisadenzäune grenzten den Posten von der Umgebung ab. Ein Garten konnte bestaunt werden, in dem es wohl alles gab........Obst, Gemüse.....alles sehr gepflegt.
Immerhin waren die Bewohner des Postens darauf angewiesen, ihre eintönige Fischkost mit den Produkten aus dem Garten zu ergänzen.
Die Gerberei
Zu ihr gelangt man am Schluss. Eine fast 90jährige Indianerin war gerade dabei, Mokassins herzustellen. Dabei konnte man zusehen. Sie ist Spezialistin auf ihrem Gebiet und in der Gegend von British Columbia gehörten diese Schuhe immer zu den Souvenir-Highlights. Aber sie hatten auch ihren Preis....logisch handmade......hergestellt nur aus dem Naturprodukt Leder unter den Händen der alten Dame.
Natürlich gab es auch industriell hergestellte, die waren natürlich günstiger zu haben.
Mein Fazit
Ich fand es in diesem Fort hochinteressant. Es ist eine nationale Gedenkstätte, die von vielen Touristen besucht wird. Im Vorraum kann man sehen, aus welchen Ländern die Touristen kommen, die Europäer sind ganz stark vertreten und es gibt auch viele Sponsoren für die Erhaltung des Forts.
Eine Lebensweisheit, die ich dort lesen konnte, hat mich sehr beeindruckt: " Vor langer Zeit richtete man sich nicht nach dem Thermometer, sondern nach der Tierwelt. Die Biber erwachten im Frühjahr aus dem Winterschlaf. Daran merkte man, dass Frühjahr war. Wenn sie ihre Dämme sehr breit anlegten, erfuhr man, dass es einen nassen Sommer geben würde. Wenn sie ihre Dämme nicht öffneten, stand ein sehr trockener Sommer ins Haus. Und wenn die Biber im Spätherbst ihren Nahrungsvorrat zeitig stapelten, bereiteten sie sich auf einen kalten oder langen Winter vor."
Ein bisschen von dieser Natürlichkeit wünscht man sich doch wieder in unserer hochtechnisierten Welt zurück oder nicht?
Diese Sehenswürdigkeit erhält volle 5 Sterne.
Fort St James National Historic Site7