Bru na Boinne
Das was uns in diese Gegend führte waren die tollen Ganggräber im Boynetal. Dieses Tal liegt idyllisch am Fluß Boyne, etwas westlich von der Stadt Drogheda und nördlich von Dublin.
Hier auf den Hügeln der Landschaft zieren drei besonders große Ganggräber die Aussicht:
Newgrange- das wohl bekannteste und interessanteste Ganggrab, auch als Si an Bhru bekannt-, Knowth und Dowth.
Zwei dieser Ganggräber können im Rahmen einer Führung auch im Inneren besichtigt werden, ein weiteres liegt auf einem Privatgrundstück und kann nur von außen angesehen werden.
Doch so langweilig wie diese kurze Beschreibung jetzt klingt, ist das Ganze gar nicht!
ANFAHRT
Für uns war schon die Anfahrt zu Bru na Boinne, wie sich das Tal mit den Ganggräbern nennt, schon eine spannende Sache. Während wie über die M1 und später dann Richtung Drogheda über die Landstraßen fuhren, entdeckten wie einige braune Hinweisschilder nach Bru na Boinne, denen wie natürlich folgten. Doch wie es uns ja schon öfter in Irland ergangen ist, waren die Schilder auf einem Mal weg und wir wahrscheinlich auf der falschen Strecke. In Richtung Navan Fahrende gelangten wir so auf einer Landstraße auf einen kleinen Hügel, von dem aus wir tatsächlich das Ganggrab von Newgrange von weitem sehen konnten. Doch jede Stichstraße, die in diese Richtung führte, endete als Sackgasse oder wies ausdrücklich darauf hin, dass dieser Weg nicht zum gewünschten Ziel führte. Und so gelangten wir weiter auf noch kleineren und engen Landstraßen und fanden zufällig das Ganggrab Dowth, was kaum beschildert von Schafen umgeben war. Durch ein Schafgatter konnten wir dann das Ganggrab ringsherum betrachten, sowie nach oben steigen. Von dort aus konnten wir prompt Newgrange sehen! Mann, wie aber kommt man dorthin?
Dowth ist das kleinste der drei Ganggräber. Direkt daneben befindet sich ein mittelalterlicher Friedhof, der allerdings besser beschildert ist!
Dieses Ganggrab hatte ursprünglich zwei Eingänge, die auch heute noch zu sehen sind, allerdings wurde diese mit Toren abgesperrt, da ansonsten Unfälle oder ähnliches geschehen hätte können. Die bekannten Steine, die die anderen Ganggräber noch zieren, wurden hier irgendwann entfernt. Allerdings enthält eine der beiden Grabkammern von Dowth noch ein Steinbecken. Ebenfalls ist einer der beiden Steingänge mit einem unterirdischen Gang aus der frühchristlichen Zeit verbunden. Das Ganggrab selbst wird um das Jahr 3000 vor Chr. Geschätzt!
Nach einigen weiteren Irrfahrten gelangten wir so nach Drogheda, von wo aus uns auch prompt wieder neue Hinweisschilder führten! Aha, die Touristen wurden also praktisch umgeleitet Das erkannten wir spätestens als wir das Besucherzentrum erspähten, das viel weiter von Newgrange entfernt lag, als wir es zuvor durch Zufall waren!
BESUCHERZENTRUM
Das Besucherzentrum hat viele Parkplätze und das äußere Erscheinungsbild passt sich hier den Ganggräbern an.
Direkt am Eingang steht ein Schild, dass man nun hier warten soll und empfangen wird! Das geschah auch schon im selben Moment und uns wurde die Frage gestellt, was wir denn alles besichtigen wollten! Hä? Alles! Und so bekamen wir prompt zwei runde Aufkleber auf unsere Bekleidung, mit der jeweiligen Zeit der Führung durch die beiden Ganggräber- grüner Button für Knowth mit der Uhrzeit der Busabfahrt, dasselbe für Newgrange in orange!
Doch bis zu Abfahrt unseres Busses nach Newgrange konnten wir uns die Ausstellung im Besucherzentrum noch ansehen, welche sich mit der Geschichte des Lebens im Boynetal um 3000 v. Chr. Beschäftigt und bereits einige Steine hervorhebt.
Insgesamt war dies ein recht teurer Spaß, denn alle drei Teile kosten nicht gerade wenig.
Wie wir in diesem Jahr erfahren haben, gibt es eine Heritage Card für 20€, mit der man 1 Jahr lang alles Sehenswürdigkeiten Irlands, die von Duchas verwaltet werden, kostenlos besuchen kann. Wer also diese Gräber und vielleicht noch 2 oder 3 andere Sehenswürdigkeiten (z.B. Clonmacnoise, Glendalough, Kilmainham Gaol) sehen möchte, sollte sich unbedingt diese Karte zulegen.
BUSSHUTTLE
Und so gingen wir über eine Fußgängerbrücke über den Fluß Boyne zu der Bushaltestelle der Kleinbusse, wo wir prompt im falschen Bus landeten. Wie gut, dass wir so leuchtende Aufkleber an der Bekleidung hatten, die uns deutlich von den anderen abhob! Also rein in den richtigen Bus und schon ging es in etwas 10 Minuten holpriger Fahrt über Straßen, die mir irgendwie schon ein wenig bekannt vorkamen (waren wohl doch nicht alles Sackgassen!).
NEWGRANGE
Newgrange sieht man bereits vom Weiten, denn eine Seite ist mit weißen Steinen verziert.
Bei Sonnenschein leuchten diese sehr schön! Newgrange ist eines der berühmtesten prähistorischen Bauwerke in Westeuropa. Die Grabkammer ist durch einen ca. 18 m langen Gang zu betreten. Dieser Gang jedoch ist nichts für besonders große Menschen: Köpfe runter und Bäuche einziehen! Aber bereits der Gang lohnt sich, einige dieser Steine sind wundervoll verziert und so erreicht man die Grabkammer mit Staunen. Hier wurde die Elektrizität eingesetzt, um die Schönheit zu bewundern. Bei der Führung werden bestimmte Steine genauer erklärt, denn hier sind wunderschöne Muster zu erkennen- und das nach über 5000 Jahren der Gestaltung!
Das Dach von Newgrange ist ca. 6 m hoch, das Ganggrab hat einen Durchmesser von bis zu 85 m und wird von 97 großen Steinen eingefasst. Der wohl schönste Stein ist der Eingangstein, der allerdings jetzt zum Schutz nicht mehr betreten werden sollte. Um das zu verhindern, wurde am Eingang eine Treppe angelegt.
Das Besondere an Newgrange ist die Lage, denn man wunderte sich lange über die Ausrichtung des Grabes: Wie soll hier die Sonne reinscheinen? Doch durch eifriges Forschen stellte sich heraus: Am kürzesten Tag des Jahres- 21.12.- kriecht die Sonne durch ein Oberlicht genau in das Zentrum des Grabes und erleuchtet diesen Raum. Dies wurde uns recht eindrucksvoll mit Hilfe der Elektrizität verdeutlicht. Wer jedoch live bei einem solchen Erlebnis dabei sein will, muss mindestens 10 Jahre Wartezeit in Kauf nehmen, denn dieses Privileg ist nicht jedem sofort vergönnt. Diese Entdeckung machte übrigens ein gewisser O´Kelly erst 1969, nachdem seine 7-jährige hartnäckige Suche lange Zeit zum Gespött anderer Wissenschaftler wurde!
Wer dann noch etwas Zeit hat, sollte sich die einzelnen Steine rings um das Grab ansehen, viele sind wirklich schön gestaltet mit Spiralen (Zeichen für die Sonne?), Mäandern (der Fluß?) und anderen Zeichen, dessen genaue Bedeutung bis heute nicht klar sind.
Dieses Ganggrab wurde erst in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckt. Durch Zufall stieß ein Bauherr auf seiner Baustelle auf den gestalteten Eingangsstein und stoppte sofort die Baumaßnahmen. Durch einen weiteren Zufall war der Eingang zugeschüttet, so dass alles im Inneren bestens erhalten geblieben ist!
Newgrange ist wirklich sehenswert! Die Führung mitsamt Anfahrt dauert ca. 1- 1 ½ Stunden.
Doch zurück zum Besucherzentrum und von da aus in den Bus nach Knowth.
KNOWTH
Knowth (gesprochen ungefähr wie Naus) ist nur von Mai bis Oktober geöffnet und liegt etwas 15 Minuten vom Besucherzentrum mit dem Bus entfernt. Hier gibt es nicht nur das große Ganggrab sondern noch 18 weitere kleinere so genannte Satellitengräber. Ebenso wird diese Anlage auf 3000 v. Chr. geschätzt, weist jedoch noch weitere Besonderheiten auf.
Dieses Grab ist übrigens das größte Ganggrab im Tal. Einige Teile wurden rekonstruiert, wie zum Beispiel ein kleiner Raum aus Beton den Querschnitt des Bauwerks zeigt. Durch das stapeln der Steine und den dazwischenlegenden Schichten aus Ton etc. sind diese Bauwerke aus heutiger Sicht absolut vorbildlich in Hinblick auf Erdbebensicherheit: das elastische Material schützt das Grab vor Erschütterungen! Man bedenke, dass diese Bauwerke 5000Jahre in Trockenbauweise überstanden haben: Hier wurde kein Zement, kein Mörtel verwendet!
Leider ist nur ein Blick in einen der beiden Gänge möglich, dieser jedoch ist schon beachtlich!
Auf dem Ganggrab befinden sich außerdem noch Grundmauern eines Gebäudes. Dieses wurde wahrscheinlich im Mittelalter erbaut. Rings um diese Stätte herum sind bei Ausgrabungen weitere Spuren der Vergangenheit gefunden worden: Spuren aus der Bronze- und Eisenzeit, ebenso wie frühchristliche Hinterlassenschaften.
So ist hier auch eine Art Kellerraum zu finden, die deutlich nach dem Bau des eigentlichen Grabes zu datieren ist. Dieser Raum diente wohl als eine Art Kühlschrank.
Auf der Rückseite des Grabes findet ihr einen hohen aufrecht stehenden Stein, dessen Rückseite wie poliert erscheint. Dieser Kalksandstein wurde wohl als Phallussymbol aufgestellt und kam viele Kilometer weit weg!
Mir persönlich haben hier ja die vielen gestalteten Steine gefallen, wobei ich Euch meinen absoluten Lieblingsstein natürlich auch als Foto nicht vorenthalten möchte!
ÖFFNUNGSZEITEN UND PREISE
Bru na Boinne kann von März bis Oktober täglich von 9:30- 17:30 Uhr besichtigt werden. In Saisonmonaten gibt es verlängerte Öffnungszeiten (bis 19 Uhr). Eine frühzeitige Ankunft jedoch lohnt sich, da bei den Führungen nur eine begrenzte Anzahl an Leuten mitkann.
Manchmal sind bereits am Vormittag die Führungen für den gesamten Nachmittag ausgebucht!
Die Preise für die einzelnen Sehenswürdigkeiten sehen wie folgt aus:
Besucherzentrum: 2,75€
Besucherzentrum und Newgrange: 5,50€
Besucherzentrum und Knowth: 4,25€
Besucherzentrum Newgrange und Knowth: 9;75€
Wer außerdem noch Zeit hat (wir haben für alle Besichtigungen 4 Stunden plus Suche bei der Anfahrt benötigt), sollte sich den Ort Drogheda ansehen, hier wird auch einiges an Geschichte lebendig!
FAZIT
Dieser Besuch verursacht ein leeres Portemonnaie und einen lange währenden Eindruck!
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Accessibility
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"Must See"-Factor
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Budget Friendliness
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Architecture
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Concept
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Exhibits
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Relevance