Detailed review by Graefin
Graefin
Lüdenscheid, Germany80%
Der 8. Tag sollte uns mal wieder weiter weg bringen.
Das Schiff war vorher nach Qena gefahren, ca. 61 km von Luxor entfernt. Hier leben rund 200000 Einwohner. Qena ist zwar ein Verkehrsknotenpunkt, aber touristisch eher unwichtig. Eisenbahnstrecke und Straßen führen nach Kairo und Assuan.
Der Anleger war wie in Luxor hinter einem Hotel, durch dessen Halle wir gehen mußten, der Bus wartete um 7 h davor.
Die Fahrt zum Tempel der Hathor dauerte knapp 2,5 Stunden und jeder nutzte sie, wie er wollte. Manche schliefen, andere schauten durch die Gegend“.
Ich bin eher die, die sich die Gegend ansieht. Wir kamen durch kleinere Dörfer, die das normale Leben in Ägypten zeigten. Schulkinder in Uniform, ladestypisch gekleidete Männer und Frauen, einige davon auch verschleiert. Pferde, Eselskarren und andere Transportmittel. Es wurde an manchen Hauseingängen schon Sonnenbrot vorbereitet.
In einem Ort war Markt, hier wurde auch Vieh verkauft, so sahen wir Ochsen auf einem Klein-LKW, ein Eselskarren mit ungesicherten Gasflaschen... das Herz eines jeden europäischen Spediteurs rutschte bei der Ladungssicherung schnell in die Hose!
Die Fahrt führte an den Kanälen des Nils vorbei und zeigte auch den Müll und die toten Tiere. Es schwammen auch Kadaver in den Kanälen. So erklärte sich der Vortrag über das falsche Papyrus“.
Gegen 9.30 h waren wir am Ziel Dendara und der Tempel der Hathor lag vor uns. Deshalb hier nun ein wenig
GESCHICHTE
Die Anlage war bis ins 19. Jhdt. unter Sand vergraben und ist z. T. sehr gut erhalten. Erbaut wurde sie in der ptolemäischen Zeit, etwa um 50 v. Chr. Der Aufbau ist aber dennoch dem klassischen Baustil der Pharaonen nachempfunden.
Hathor war die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit und hatte in Dendara ihre Kultstätte. Die Fassade aus Pylonen zeigt römische Kaiser, Tiberius und Claudius, innen zeigen Reliefs Hathor in Menschengestalt. Der Sonnengott Ra wird auf dunklem Hintergrund mit astronomischen Zeichen gezeigt. Auf der Außenmauer zeigt ein Relief Kleopatra mit ihrem Sohn Caesarion, Vater ist Julius Cäsar. Caesarion war später Ptolemäus XIV., 47 44 v. Chr.
Zahlreiche Gebäude waren außen herum, allerdings nicht mehr gut erhalten: eine Basilika aus dem 5 Jhdt. n. Chr., ein Krankenhaus, kleinere Tempel.
LOS GEHT ES
Der Eintritt betrug nur 35 Ägyptische Pfund, knapp 4,40 €. Wie schon die ganzen Tage war alles im Reisepreis enthalten und wir brauchen uns um nichts zu kümmern.
Man ging durch eine Eingangshalle, hier waren auch Toiletten, die wir fast alle nach der langen Fahrt aufsuchten. Relativ ordentlich mit zugeteiltem Toilettenpapier. Nun ja, nach einer Woche wunderte uns das ja nicht mehr...
Nach einem kleinen Vortrag unseres Reiseführers gingen wir durch den Tempel.
Es ist ebenerdig und bis auf den Gang aufs Dach ohne Treppe. Es laufen keine aufdringlich Händler herum, nur Mitarbeiter der Anlage, die aufpassen. Scheinbar ist die touristische Geschäftstüchtigkeit hier nicht angekommen.
Ich muß sagen, es war zwar wieder ein Tempel, ein Haufen alte Steine“, aber der war mal wieder hochinteressant.
Die Reliefs und Malereien sind teilweise sehr gut erhalten und auch sehr beeindruckend: es gab z. B. an einer Stelle Bilder von.... U-Booten und Flugzeugen! Da fragt man sich doch, wie man das zu der Zeit der Entstehung des Tempels wußte.
Kleopatra ist auch noch sehr schön anzusehen. Erstaunlich, welche Mode es damals gab. Man legte Wert auf Schönheit.
Man kann auf den Tempel gehen und sich die Anlage von oben ansehen. Teile des Dachs sind allerdings gesperrt, die Unfallgefahr ist zu groß.
Es lohnt sich. Der Hitze wegen muß man früh fahren, es gibt keinen Schatten. Wie an so vielen Orten.
Das 1. Ziel des Tages hat sich gelohnt. Wir waren gespannt auf den 2. Tempel in Abydos.
~~ Ende 1. Teil, Tag 8 ~~
Hathor temple10