very good

Samaria (18.04.2005)
Travel date: July 2002
bjoern
bjoern (37)
Schwanewede, Germany
Die Samaria-Schlucht befindet sich im Regierungsbezirk Chania, etwa 45 Kilometer von der gleichnamigen Stadt entfernt, mitten in den weißen Bergen Kretas. Die Schlucht ist von Mai bis Oktober zugänglich, wobei im ersten und im letzten Monat jeweils am Morgen entschieden wird, ob die Schlucht geöffnet wird. Bei extrem starken Regen bleibt die Schlucht geschlossen, ansonsten kann man sie von 6 bis 18 Uhr geöffnet, nach 16 Uhr darf man aber nur noch maximal 2 Kilometer in die Schlucht hinein.

Die Tour beginnt in einer Höhe von ca. 1400 Metern und endet in einem kleinen Dorf am Meer (also bei N.N.). Von diesem Dorf aus kommt man nur noch mit dem Schiff weg. Dies ist auch der Grund, warum ich für die Samaria-Schlucht eine Tour der Reiseveranstalter empfehlen kann, da es einen unheimlich hohen organisatorischen Aufwand bedeuten würde, vom Zielort des Schiffes zurück an den Eingang der Schlucht zu gelangen ... und irgendwie müsste man bei Selbstorganisation ja zu seinem Fahrzeug zurück kommen ....

Der gesamte Weg ist etwa 16 Kilometer lang. Ältere Reiseführer sprechen von 18 Kilometern, was aber daran liegt, dass die Reisebusse früher nicht bis direkt an den Eingang heranfahren konnten. Etwa alle 1.5 bis 2 Kilometer längs des Weges befinden sich kleine Brunnen / Quellen, an denen man die Trinkflaschen füllen und sich auch ansonsten erfrischen kann. Etwa in der Mitte der Schlucht befindet sich das kleine Dorf Samaria, in dem die Schluchtwärter leben. Hier ist auch ein Arzt stationiert, den man bei Bedarf aufsuchen kann.

Ziel der Tour ist ein kleiner Küstenort, von dem aus man nur mit dem Schiff weg kommt. Außer einigen Tavernen und ein paar Pensionen gibt es hier nichts, wer aber die Tour auf eigene Faust macht findet hier sicherlich ein Bett für die Nacht :-)

Wir haben uns für diese Tour etwas Zeit genommen und sind des öfteren mal stehen geblieben, um die Natur zu bewundern. Dadurch haben wir etwa 6 Stunden gebraucht ...


Samaria - warum organisiert?

Der einzige Vorteil an einer organisierten Tour durch die Schlucht teil zu nehmen ist wie gesagt die organisierte Rückfahrt. Diese Reiseunternehmen stellen am Zielort des Schiffes ihre Busse ab, so dass man zum Abschluß der Schiffstour nur noch in den Bus steigen muss und dort entspannen kann. Ansonsten müsste man es organisieren, dass man von dort aus zum Schluchteingang zurück kommt, was einigermassen kompliziert sein soll (ausprobiert habe ich es nicht).

Durch die Schlucht selber geht man auf eigene Faust. Diese Reiseleitung startet etwa 1.5 Stunden nach den Touristen und holt dann von hinten auf, um die Bummler einzusammeln. Vorab wurden ungefähre Zeitmarken gesetzt, so dass man selber entscheiden kann, wie gut man in der Zeit liegt ... das letzte Schiff fährt um 18:00 Uhr und man verliert doch schnell das Zeitgefühl ...


Samaria - meine Gedanken

Samaria ist ein einmaliges Erlebnis gewesen. Der Weg führt über Stock und Stein, durch ausgetrocknete Flussbetten und steile Passagen. An manchen Stellen kann man einen Weg eher erahnen als erkennen. Besonders die ersten 3 Kilometer habe ich als etwas nervig empfunden, da der Weg sehr steil war und unheimlich viele Leute unterwegs waren. In der Regel gehen pro Tag zwischen 800 und 1000 Touristen durch die Schlucht und da alle zu ähnlichen Zeiten starten ist es am Anfang ziemlich voll. Im Laufe der Wanderung ziehen sich die Gruppen auseinander und man hat teilweise Passagen, in denen man völlig alleine geht.

Landschaftlich ist diese Tour einfach nur wunderschön, fast unbeschreiblich. Man hat das Gefühl durch eine trotz der vielen Touristen unberührte Berglandschaft zu gehen. Stellenweise gehen die Bergwände 800 Meter senkrecht in die Höhe und man kommt sich direkt verloren daneben vor. Die Pflanzenwelt ist wunderschön, teilweise steht man in einem dichten Wald, dann wieder an Stellen, an denen scheinbar überhaupt nichts zu wachsen scheint.

Tiere gibt es nur sehr wenige ... die spezielle Ziegenrasse (die es nur in dieser Schlucht gibt), die auch der Grund dafür ist, dass Samaria heute Naturschutzgebiet ist, ist sehr scheu und eigentlich nicht zu sehen.

Körperlich ist diese Wanderung eine echte Herausforderung. Es ist eigentlich keine echte Wanderung, da man über Stock und Stein steigt. Festes Schuhwerk ist ein absolutes Muss, es müssen keine Wanderschuhe sein, Turnschuhe reichen aus, aber mit Sandalen halte ich diese Tour für ein lebensgefährliches Unterfangen. Auch das Gehen selber ist sehr sehr anstrengend und man muss ständig aufpassen, wo man hin tritt. Wenn man auch nur wenige Schritte macht und dabei die Landschaft bewundert, knickt man mit ziemlicher Sicherheit um oder stolpert. Auch die Hitze macht einem ganz schön zu schaffen, aber zum Glück gibt es ausreichend Quellen. Den Tag nach der Tour sollte man auf keinen Fall mit irgendwelchen Aktivitäten verplanen, da man es eh nicht kann. Ich würde mich nicht als untrainiert bezeichnen, aber ich habe im Anschluss zwei Tage lang ziemlich starken Muskelkater gehabt und hatte am ersten Tag nach der Tour Probleme beim Treppensteigen :-) Das hört sich sicherlich erst einmal abschreckend an, aber die Tour ist es auf jeden Fall wert ... die körperlichen Anstrengungen sind nach wenigen Tagen vergessen, das einmalige naturelle Erlebnis bleibt aber mit Sicherheit ein Leben lang in Erinnerung.


Samaria - Tipps für alle, die es machen wollen

(1)
Festes Schuhwerk, z.B. Turnschuhe sind ein absolutes Muss.

(2)
Während des Gehens sollte man unbedingt auf seine Füße achten, da man ansonsten unweigerlich stolpert. Wer die Natur beobachten möchte, bleibt hierfür am Besten stehen.

(3)
Eine Wasserflasche mit 0,7 Liter Inhalt reicht auf jeden Fall aus. Man sollte diese Flasche aber bei JEDER Quelle leer trinken und dann erneut füllen, selbst dann, wenn man eigentlich keinen Durst hat. Der Flüssigkeitsverlust des Körpers ist extrem hoch! Das Wasser an den Quellen ist reines Bergwasser und ist schön kühl, klar und schmeckt fabelhaft.

(4)
Eine Kopfbedeckung sollte auf jeden Fall dabei sein. Es empfiehlt sich, diese an jeder Quelle nass zu machen und nass aufzusetzen. Auch etwas kühles Wasser auf dem T-Shirt erfrischt und beugt der Überhitzung des Körpers vor ...

(5)
Wer die Tour machen möchte sollte dies auf keinen Fall am Tag vor dem Abflug tun. Sollte es irgendwelche Probleme geben (man verpasst z.B. das Schiff), hat meine keine Möglichkeit mehr, vom Zielort der Tour ins Hotel zu kommen. Außerdem ist ein Tag am Strand mit viel Schwimmen die beste Erholung für den Körper nach den entsprechenden Strapazen.

Fazit

Trotz hoher körperlicher Beanspruchung eine uneingeschränkte Empfehlung für die Tour durch die Samaria-Schlucht. Die Landschaftseindrücke sind einfach einmalig, das ganze Erlebnis unvergesslich. Außerdem kann man auch stolz darauf sein, die Tour gut geschafft zu haben, schließlich sind auch Grenzerfahrungen positive Erfahrungen, von denen man sein Leben lang zerrt. Für Kleinkinder ist diese Tour aber auf jeden Fall ungeeignet ...
Accessibility
20 out of 100
"Must See"-Factor
100 out of 100
Budget Friendliness
80 out of 100
Uniqueness
100 out of 100

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