Museum/ Exhibition/ GalleryBerlin Underworlds' Association (Berliner Unterwelten) > Review
![]() |
| ||||
Dass die Unterwelt von Berlin recht geschichtsträchtig ist, ist vielleicht dem Ein oder Anderen bekannt. Die U-Bahn-Tunnel, Bunker aus der Zeit des 2. Weltkriegs, Flucht- und Spionagetunnel aus der Zeit des Eisernen Vorhangs, moderne Zivilschutzbunker als Relikte des Kalten Krieges - all diese Bauwerke sorgen dafür, dass der Berliner Untergrund an manchen Stellen fast an einen Schweizer Käse erinnert. Dass man neben der U-Bahn auch andere Teile dieser Unterwelt besichtigen kann, das wissen jedoch schon deutlich weniger Menschen.
Ich hatte neulich bei einem Berlin-Besuch die Möglichkeit, an einer Führung durch eine alte Luftschutzbunkeranlage aus der Zeit des 2. Weltkriegs teilzunehmen. Über diese Führung sowie über den Verein Berliner Unterwelten e.V. als Veranstalter der Tour möchte ich heute berichten.
Der Verein Berliner Unterwelten e.V. (www.berliner-unterwelten.de) hat es sich zum Ziel gesetzt, einige der vom Verfall bedrohten unterirdischen Bauwerke als Denkmäler zu erhalten, historische Forschung und Dokumentation zu betreiben sowie die Denkmäler der interessieren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seinen Sitz hat der Verein ganz stilecht unter der Erde, im U-Bahnhof Gesundbrunnen:
Berliner Unterwelten e.V.
Brunnenstraße 108 a
13355 Berlin
Fon: 030/49910517
Fax: 030/49010519.
Neben speziellen Führungen für Gruppen, Workshops und Seminaren bietet der Verein Berliner Unterwelten regelmäßig verschiedene öffentliche Führungen an. Einige davon möchte ich hier kurz exemplarisch erwähnen:
- Dunkle Welten - Zeitgeschichtliche Führung durch einen authentischen Ort -
Im Rahmen dieser Führung wird der große Luftschutzbunker im U-Bahnhof Gesundbrunnen besichtigt.
- Vom Flakturm zum Trümmerberg - Einstieg in eine unterirdische Ruinenlandschaft -
An der Nordseite des Volksparks Humboldthain findet man die Überreste eines großen Flakturms, die im Rahmen dieser Führung erkundet werden.
- U-Bahn, Bunker und Kalter Krieg - Stadtgeschichte aus ungewöhnlicher Perspektive -
Aus dem Jahr 1977 stammt der Atomschutzbunker im U-Bahnhof Pankstraße. Er ist heute noch voll ausgestattet und funktionsfähig, kann aber dennoch bei dieser Führung besucht werden.
Bezüglich der Preise und Termine für die genannten sowie die weiteren Touren des Vereins Berliner Unterwelten e.V. möchte ich auf die bereits erwähnte Website www.berliner-unterwelten.de verweisen, wo man hierüber ausführlich informiert wird.
Die Tour "Dunkle Welten" startet an der Geschäftsstelle des Vereins Berliner Unterwelten e.V. in der südlichen Ausgangshalle des U-Bahnhofs Gesundbrunnen. Hier kann man auch die Tickets für die Tour erwerben, welche regulär 9 Euro kosten (verschiedene Rabatte sind möglich - Infos hierzu findet man auf der Website des Vereins) und rund 90 Minuten dauert. In ummittelbarer Nähe der Geschäftsstelle beginnt der Gang in den Untergang. In seinem Info-Flyer schreibt der Verein dazu: "Hunderte von Menschen laufen täglich an einer grünen Tür im U-Bahnhof Gesundbrunnen vorbei, ohne zu ahnen, dass sich dahinter ausgedehnte und geschichtsträchtige Räume verbergen".
Durchschreitet man diese Tür, so begibt man sich tatsächlich auf eine Reise in die Vergangenheit, denn die Räume selbst sind tatsächlich noch so, wie sie während des Baus des Luftschutz in den frühen 40er-Jahren gestaltet wurden. Die Wände tragen noch die Originalbeschriftungen aus jener Zeit, nur die Einrichtung wurde rekonstruiert bzw. durch Funde aus anderen Regionen ergänzt, da das komplette Inventar des Bunkers nach Kriegsende zu Zwecken des Wiederaufbaus geplündert wurde.
Es ist schon ein bedrückendes Gefühl, diese dunklen, grauen Räume zu durchstreifen - wie viel bedrückender mag es gewesen sein, als die Bunker tatsächlich gefüllt bzw. überfüllt waren, als man oben die Bomben einschlagen hörte, als sich im Bunker der Mief von Tausenden von Menschen breit machte, als wegen chronischer Überfüllung langsam der Sauerstoff im Bunker knapp wurde. Angehörige meiner Generation können sich das wohl kaum noch vorstellen, dennoch werden wohl auch junge Menschen recht bald erkennen, dass die damaligen Bombennächte auch im relativ sicheren Schutz des Bunkers kein Zuckerschlecken gewesen sein mögen.
Ein Mitglied des Vereins Berliner Unterwelten e.V. begleitet die Tour und gibt fachkundige Erklärungen sowohl zum geschichtlichen Hintergrund des Bunkers und der Bombenangriffe als auch zu den vielen Exponaten. Neben großen Beständen an bunkertypischer Einrichtung und der nach wie vor komplett erhaltenen Bunkertechnik (Lüftung, Gasschleusen, etc.) findet man dort u.a. Fundstücke aus dem Bereich der ehemaligen Reichskanzlei bzw. des Führerbunkers, Waffenfunde aus Berlin und Umgebung, aber auch Artefakte von Kämpfern beider Seiten aus der Phase des Endkampfes um die damalige Reichshauptstadt Berlin. Gerade diese Überreste stimmen doch recht nachdenklich, denn wenn man einen Stahlhelm mit Einschussloch, ein verbeultes Kochgeschirr, etc. sieht, dann wird einem wieder einmal deutlich vorgeführt, dass sich hinter dem abstrakten Begriff "Krieg" eben doch ganz viele unterschiedliche individuelle Schicksale verbergen. Ganz besonders in diesem Teil der Ausstellung wird einem recht schnell klar, dass die Devise hierzu nur "Nie wieder Krieg!" lauten kann und muss.
Der Luftschutzbunker im U-Bahnhof Gesundbrunnen war das erste Objekt, welches der Verein Berliner Unterwelten e.V. der Öffentlichkeit zugänglich machte. Über mehrere Jahrzehnte hinweg war die ausgedehnte unterirdische Anlage komplett in Vergessenheit geraten, sogar die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) als Eignerin der Anlage wusste gar nicht mehr, dass es sie gab. In den 90er-Jahren dann tauchten alte Pläne der Anlage auf, so dass man an ihre Erkundung, Sanierung und Restaurierung denken konnte. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins vollbrachten hier eine wahre Glanzleistung, welche es ihnen später erleichterte, auch für andere Lokalitäten Genehmigungen zur Nutzung zu erhalten. Auch wenn es sich bei den Mitgliedern des Vereins Berliner Unterwelten e.V. größtenteils um Hobbyhistoriker handelt, so wird ihre Arbeit inzwischen doch von offizieller Seite anerkannt und gewürdigt. So war der Verein z.B. in beratender Funktion beim Dreh des Films "Der Untergang" tätig.
Klar und deutlich grenzt man sich übrigens von irgendwelchen Gruppierungen aus dem rechtsextremen Spektrum, welche unter dem Deckmäntelchen der Forschung ehemalige Anlagen aus der Zeit des 3. Reiches restaurieren wollen, um sie zu Wallfahrtsstätten für ewig Gestrige zu machen, ab. Lt. Aussage des Vereinsmitglieds, welches uns durch die Bunkeranlage führte, kam es deshalb auch schon zu verschiedenen Vereinsausschlüssen. Diese Vorgehensweise erscheint mir sehr sinnvoll, denn die Arbeit des Vereins ist in meinen Augen viel zu wichtig, um sie durch solche Wirrköpfe torpedieren zu lassen. Was der Verein zeigt, ist reale Geschichte an realen Orten. Besuche in solch geschichtsträchtigen Stätten wie der Bunkeranlage im U-Bahnhof Gesundbrunnen können unsere eigene Geschichte sicher deutlich besser als jedes Buch und jeder Film vermitteln. Nicht umsonst hängt im Bunker der bekannte Spruch: "Wer seine Geschichte nicht kennt, der kann daraus nichts für die Zukunft lernen!". Dem kann ich mich nur anschließen. Eine Besichtigungstour des Vereins Berliner Unterwelten e.V. ist für alle geschichtsinteressierten Menschen, die in Berlin weilen, fast schon ein Muss. Was man sonst nur aus Film und Fernsehen kennt, wird hier auf eine bedrückende, aber dennoch faszinierende und interessante Art und Weise real.
Ich hatte neulich bei einem Berlin-Besuch die Möglichkeit, an einer Führung durch eine alte Luftschutzbunkeranlage aus der Zeit des 2. Weltkriegs teilzunehmen. Über diese Führung sowie über den Verein Berliner Unterwelten e.V. als Veranstalter der Tour möchte ich heute berichten.
Der Verein Berliner Unterwelten e.V. (www.berliner-unterwelten.de) hat es sich zum Ziel gesetzt, einige der vom Verfall bedrohten unterirdischen Bauwerke als Denkmäler zu erhalten, historische Forschung und Dokumentation zu betreiben sowie die Denkmäler der interessieren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seinen Sitz hat der Verein ganz stilecht unter der Erde, im U-Bahnhof Gesundbrunnen:
Berliner Unterwelten e.V.
Brunnenstraße 108 a
13355 Berlin
Fon: 030/49910517
Fax: 030/49010519.
Neben speziellen Führungen für Gruppen, Workshops und Seminaren bietet der Verein Berliner Unterwelten regelmäßig verschiedene öffentliche Führungen an. Einige davon möchte ich hier kurz exemplarisch erwähnen:
- Dunkle Welten - Zeitgeschichtliche Führung durch einen authentischen Ort -
Im Rahmen dieser Führung wird der große Luftschutzbunker im U-Bahnhof Gesundbrunnen besichtigt.
- Vom Flakturm zum Trümmerberg - Einstieg in eine unterirdische Ruinenlandschaft -
An der Nordseite des Volksparks Humboldthain findet man die Überreste eines großen Flakturms, die im Rahmen dieser Führung erkundet werden.
- U-Bahn, Bunker und Kalter Krieg - Stadtgeschichte aus ungewöhnlicher Perspektive -
Aus dem Jahr 1977 stammt der Atomschutzbunker im U-Bahnhof Pankstraße. Er ist heute noch voll ausgestattet und funktionsfähig, kann aber dennoch bei dieser Führung besucht werden.
Bezüglich der Preise und Termine für die genannten sowie die weiteren Touren des Vereins Berliner Unterwelten e.V. möchte ich auf die bereits erwähnte Website www.berliner-unterwelten.de verweisen, wo man hierüber ausführlich informiert wird.
Die Tour "Dunkle Welten" startet an der Geschäftsstelle des Vereins Berliner Unterwelten e.V. in der südlichen Ausgangshalle des U-Bahnhofs Gesundbrunnen. Hier kann man auch die Tickets für die Tour erwerben, welche regulär 9 Euro kosten (verschiedene Rabatte sind möglich - Infos hierzu findet man auf der Website des Vereins) und rund 90 Minuten dauert. In ummittelbarer Nähe der Geschäftsstelle beginnt der Gang in den Untergang. In seinem Info-Flyer schreibt der Verein dazu: "Hunderte von Menschen laufen täglich an einer grünen Tür im U-Bahnhof Gesundbrunnen vorbei, ohne zu ahnen, dass sich dahinter ausgedehnte und geschichtsträchtige Räume verbergen".
Durchschreitet man diese Tür, so begibt man sich tatsächlich auf eine Reise in die Vergangenheit, denn die Räume selbst sind tatsächlich noch so, wie sie während des Baus des Luftschutz in den frühen 40er-Jahren gestaltet wurden. Die Wände tragen noch die Originalbeschriftungen aus jener Zeit, nur die Einrichtung wurde rekonstruiert bzw. durch Funde aus anderen Regionen ergänzt, da das komplette Inventar des Bunkers nach Kriegsende zu Zwecken des Wiederaufbaus geplündert wurde.
Es ist schon ein bedrückendes Gefühl, diese dunklen, grauen Räume zu durchstreifen - wie viel bedrückender mag es gewesen sein, als die Bunker tatsächlich gefüllt bzw. überfüllt waren, als man oben die Bomben einschlagen hörte, als sich im Bunker der Mief von Tausenden von Menschen breit machte, als wegen chronischer Überfüllung langsam der Sauerstoff im Bunker knapp wurde. Angehörige meiner Generation können sich das wohl kaum noch vorstellen, dennoch werden wohl auch junge Menschen recht bald erkennen, dass die damaligen Bombennächte auch im relativ sicheren Schutz des Bunkers kein Zuckerschlecken gewesen sein mögen.
Ein Mitglied des Vereins Berliner Unterwelten e.V. begleitet die Tour und gibt fachkundige Erklärungen sowohl zum geschichtlichen Hintergrund des Bunkers und der Bombenangriffe als auch zu den vielen Exponaten. Neben großen Beständen an bunkertypischer Einrichtung und der nach wie vor komplett erhaltenen Bunkertechnik (Lüftung, Gasschleusen, etc.) findet man dort u.a. Fundstücke aus dem Bereich der ehemaligen Reichskanzlei bzw. des Führerbunkers, Waffenfunde aus Berlin und Umgebung, aber auch Artefakte von Kämpfern beider Seiten aus der Phase des Endkampfes um die damalige Reichshauptstadt Berlin. Gerade diese Überreste stimmen doch recht nachdenklich, denn wenn man einen Stahlhelm mit Einschussloch, ein verbeultes Kochgeschirr, etc. sieht, dann wird einem wieder einmal deutlich vorgeführt, dass sich hinter dem abstrakten Begriff "Krieg" eben doch ganz viele unterschiedliche individuelle Schicksale verbergen. Ganz besonders in diesem Teil der Ausstellung wird einem recht schnell klar, dass die Devise hierzu nur "Nie wieder Krieg!" lauten kann und muss.
Der Luftschutzbunker im U-Bahnhof Gesundbrunnen war das erste Objekt, welches der Verein Berliner Unterwelten e.V. der Öffentlichkeit zugänglich machte. Über mehrere Jahrzehnte hinweg war die ausgedehnte unterirdische Anlage komplett in Vergessenheit geraten, sogar die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) als Eignerin der Anlage wusste gar nicht mehr, dass es sie gab. In den 90er-Jahren dann tauchten alte Pläne der Anlage auf, so dass man an ihre Erkundung, Sanierung und Restaurierung denken konnte. Die ehrenamtlichen Mitglieder des Vereins vollbrachten hier eine wahre Glanzleistung, welche es ihnen später erleichterte, auch für andere Lokalitäten Genehmigungen zur Nutzung zu erhalten. Auch wenn es sich bei den Mitgliedern des Vereins Berliner Unterwelten e.V. größtenteils um Hobbyhistoriker handelt, so wird ihre Arbeit inzwischen doch von offizieller Seite anerkannt und gewürdigt. So war der Verein z.B. in beratender Funktion beim Dreh des Films "Der Untergang" tätig.
Klar und deutlich grenzt man sich übrigens von irgendwelchen Gruppierungen aus dem rechtsextremen Spektrum, welche unter dem Deckmäntelchen der Forschung ehemalige Anlagen aus der Zeit des 3. Reiches restaurieren wollen, um sie zu Wallfahrtsstätten für ewig Gestrige zu machen, ab. Lt. Aussage des Vereinsmitglieds, welches uns durch die Bunkeranlage führte, kam es deshalb auch schon zu verschiedenen Vereinsausschlüssen. Diese Vorgehensweise erscheint mir sehr sinnvoll, denn die Arbeit des Vereins ist in meinen Augen viel zu wichtig, um sie durch solche Wirrköpfe torpedieren zu lassen. Was der Verein zeigt, ist reale Geschichte an realen Orten. Besuche in solch geschichtsträchtigen Stätten wie der Bunkeranlage im U-Bahnhof Gesundbrunnen können unsere eigene Geschichte sicher deutlich besser als jedes Buch und jeder Film vermitteln. Nicht umsonst hängt im Bunker der bekannte Spruch: "Wer seine Geschichte nicht kennt, der kann daraus nichts für die Zukunft lernen!". Dem kann ich mich nur anschließen. Eine Besichtigungstour des Vereins Berliner Unterwelten e.V. ist für alle geschichtsinteressierten Menschen, die in Berlin weilen, fast schon ein Muss. Was man sonst nur aus Film und Fernsehen kennt, wird hier auf eine bedrückende, aber dennoch faszinierende und interessante Art und Weise real.
Comments to this review
-
MusaCaliope, 08.02.2008 11:16 o'clock
Vor 2 Jahren habe ich die Unterwelten besucht und finde ich es sehr interessant.














































France
Sweden
Poland
Italy
Greece