Detailed review by Mistrinanka
Mistrinanka
Jülich, Germany96%
Wer ab Prag mit dem Auto zum Schloss will, muss etwa 60 Minuten Fahrzeit einplanen. Allerdings kann man nicht direkt bis zur Schlosseinfahrt fahren, sondern muss etwa 500 Meter unterhalb des Schloss parken. Der Aufstieg zu Fuß ist, falls man gut zu Fuß ist, relativ leicht zu bewältigen. Für Behinderte, Lauffaule und Bequeme stehen noch Pferdekutschen und einen kleinen Bummelzug am Parkplatz bereit. Das Schloss selbst ist nur zum Teil rollstuhlgerecht konzipiert und so können Rollstuhlfahrer oder Leute mit Kinderwagen nicht den gesamten Komplex besichtigen. Die Erreichbarkeit möchte ich deshalb mit 80/100 bewerten.
Wer Schloss Neu Schwanstein mochte, wird auch Konopiště mögen. Zwar ist Konopiště um ein Vielfaches älter, aber der "Zuckerguß-Look" ; a la Schloß Neu Schwanstein hat über die Jahrhunderte nicht gelitten. Wer die Anlage gesehen hat, wird verstehen, warum dieses Schloss zu den schönsten Kulturdenkmälern Böhmens gerechnet wird. Die Architektur, die wundervollen Rosengärten, der Bärengraben mit seinen tierischen Bewohnern, die exquisiten Kunstsammlungen, die imposante Waffenkammer mit der außergewöhnlichen, einzigartigen Schießbahn und die romantischen stillen Eckchen überall im Schloss, die den Geist der Vergangenheit gefangen halten... all dies macht aus dem Schloss ein wirkliches "Must see" in der Urlaubsplanung. Aus dem Grund vergebe ich auch 100/100 bei "Muss man gesehen/ gemacht haben".
Besucht habe ich das Schloss mehrfach. Auf eigener Faust, zahlt man circa 15 Euro Eintritt/Person, was eigentlich recht teuer ist, zumal man dafür - außer die Schlossbesichtigung, die circa 50 Minuten dauert - nichts geboten bekommt. Außerdem finde ich es ziemlich seltsam, dass man zwar weitere Führungen im Schloss anbietet, diese aber zum größten Teil nur sehr wenig anders gestaltet sind, aber dafür massive Preisunterschiede aufweisen. Wenn man Strecke 1, 2, 3 usw. anbietet, erwarte ich eigentlich, dass man auch 3 verschiedene Teile vom Schloss gezeigt bekommt. Die paar Minuten mehr für den Rosengarten oder die Gewächshäuser können ja den Preisunterschied nicht rechtfertigen. Wenn man an einer professionellen Führung teilnimmt (Reiseführer findet man vor dem Schloss), wird es zwar um ein Vielfaches interessanter, allerdings braucht man da wirklich Ausdauer und ein dickes Portemonnaie. Eine Führung dauert nämlich gute 6 Stunden und kostet circa 100 Euro/Person. Die Budget-Freundlichkeit ist als nicht wirklich das Wahre und läßt schon an Abzocke denken (bemerkt man aber auch bereits beim Aufstieg - Souvenirstände bis zum Abwinken. Sogar Didgeridoos aus Australien werden hier verkauft). Budget-Freundlichkeit wird also mit 60/100 bewertet.
Obwohl man es von außen nicht direkt sehen kann, so ist die Anlage architektonisch gesehen ein großes Durcheinander bzw. stilmäßig ein Kuddelmuddel. Wer Reste eine mittelalterlichen Festung sehen möchte, wird hier fündig werden, denn darauf wurde die gesamte Anlage aufgebaut. Hier und dort schauen Teile der alten Festung aus den Mauern hervor. Dann gibt es wieder Ecken im Schloss, wo noch komplett alle Teile aus der Spätgotik erhalten blieben, aber wenn man dann um die nächste Ecke schaut, findet man schon wieder etwas, was im Spätrenaissancestil oder ganz barock daher kommt. Ein wüstes Durcheinander, aber irgendwie sehr romantisch und voll süß. Das Gesamtbild wirkt jedenfalls wie eine Einheit und der wilde Stilmix stört kein Bisschen und deshalb vergebe ich hier 100/100.
Seit der Abschaffung des sog. "Ostblocks", hat sich hier sehr viel getan - auch was Renovierungen angeht. Erstmal, sind die Russen hier weg. Die haben hier Jahrzehnte gehaust und haben sich in der Gegend und auch im Schloss nicht gerade vorbildlich benommen. Das Schloss wird bis heute von Bären bewacht. Am Bärengraben kommt man auf dem Weg zum Schloss vorbei (Füttern der Tiere ist streng untersagt). Als die Russen hier die Gegend noch besetzten (sie waren im Schloss stationiert), kam es schon mal vor, dass Soldaten während der Wache aus "Versehen" in den Bärengraben "fielen" und aus Rache, demolierten die Soldaten dann wieder etwas im Schloss. Die Zeit war halt so und als die Russen abzogen vor fast 20 Jahren, war das Schloss in einem sehr schlechten Zustand. Seltsamerweise hat man es während der Besatzung immer besuchen können. Die Teile, wo die Soldaten ihre Kaserne hatten, war für Besucher jedoch gesperrt. Inzwischen wurde die gesamte Anlage komplett renoviert - auch das Originalinterieur sowie der Rosengarten und die Gewächshäuser. Zwar wird noch an allen Ecken gewerkelt, aber das ist normale Instandhaltung und keine Schadensbehebung. Vor allem die Wände im Inneren strahlen wieder im alten Glanz und es ist eine Freude, die schönen Fresken und verzierten Stuckwände wieder völlig hergestellt zu sehen. Die Zeiten wo einem der Putz entgegen kam, wenn man zu laut hustete, sind vorbei. Obwohl das Schloss in den Wintermonaten geschlossen ist, schafft man es nicht, die Arbeiten alle außerhalb den Zeiten zu erledigen, wo die Besucher Schlange stehen. So kommt es vor, dass man schon mal in einem Zimmer landet, wo gerade die Maler am Werk sind, oder wo die Möbel hin und her getragen werden und wo man also auch nicht rein darf. Zustand ist okee, aber da noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind, gibt es hier nur 90/100.
Die historische Bedeutung des Schlosses ist vor allem in der Einzigartigkeit der einzelnen Sammlungen zu finden. In den Räumen sind immer noch die Originalsammlungen der Schlossherren vergangener Zeiten zu finden und es ist schon imposant zu sehen, was man in der Renaissance-Zeit so alles gesammelt hat. Auch Sammlungen aus der Gotik und aus dem Barock blieben bis heute original erhalten und sind natürlich auch zu besichtigen. Die Waffensammlung des Schlosses ist schon fast weltberühmt zu nennen. Der Erzherzog aus Modenna war nicht nur ein Waffenkenner, sondern auch ein Waffennarr und als er hier einzog, ließ er nicht nur seine gesamte Waffensammlung nach hier bringen. Der Erzherzog ließ nämlich eine Schießbahn im Schloss installieren, komplett mit bewegende Zielscheiben und bunte Kulissen mit automatisch auftauchende Tiere (aus Metall). Die Schießanlage wurde im Jahr 1900 gebaut und ist bis heute einzigartig in dieser Art. Nirgends sonst, wird man eine ähnliche Anlage finden. Ebenfalls einzigartig ist die Sammlung religiöser Antiquitäten, die sich ausschließlich um den Heiligen Georg dreht. Für die historische Bedeutung des Schlosses kann man nur 100/100 vergeben.
FAZIT:
Wenn man den Weg zum Schloss hinauf geht, meint man, man käme an einem bunten Kirmes vorbei... Souvenirbüdchen wo man nur hinschaut und das auf eine Strecke von nur 500 Meter. Man erkennt sofort, dass man irgendwo gelandet ist, wo es vor Touristen nur so wimmeln muss und dass stimmt auch. Das Schloss ist wirklich ein Publikumsmagnet, dabei sind die Eintrittspreise richtig happig. Das stört anscheinend niemand, denn die Besucher stehen sich hier immer die Füße platt und warten geduldig auf Einlass. man sollte sich Zeit nehmen, alles in Ruhe zu besichtigen. Auch ohne an einer Führung teilzunehmen ist dies möglich. Man braucht aber Ausdauer, denn hier gibt es so viel zu sehen und zu bestaunen, dass man wirklich den halben Tag unterwegs ist und mit Sicherheit hat man immer noch nicht alles gesehen.
Leider sind die Toiletten sehr dünn gesät. Eine Toilette befindet sind hinter der Kasse. Weitere Toiletten befinden sich im Café, im Restaurant und im Bistro. Dort muss man allerdings erst etwas verzehren/bestellen, ehe man die Toilette nutzen darf. Man sollte also schauen, dass man das Örtchen direkten nach dem Kartenkauf besucht, denn während den Führungen wird es sehr eng, wenn man dann "Müssen" müsste.
Ein ausgedehnter Schlossbesuch sollte definitiv einen Platz in der Urlaubsplanung finden, allerdings sollte man ein dickes Portomonnaie, Ausdauer und eine leere Blase mitbringen.
I. M. Liska für www.trivago.de
Statní zámek Konopiště9
Ratings
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Accessibility
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"Must See"-Factor
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Budget Friendliness
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Architecture
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Condition
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Historical Significance