Detailed review by Futzi99
Wie fast jede Stadt, so hat auch die Kreisstadt des Landkreises Weimarer Land einen Bahnhof. Apolda liegt an der Regionalbahnstrecke Halle/ Saale - Bebra, der sog. Thüringer Bahn und an der IC-Strecke Halle/ Saale - Fulda - Frankfurt/ Würzburg. Der Durchgangsbahnhof besteht aus einem Hauptgebäude und drei überdachte Bahnsteiggleisen, die durch eine Bahnsteigunterführung verbunden sind.
Der Bahnhof liegt etwa einen Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums. Vor dem Bahnhofsgebäude befindet sich die Bushaltestelle Bahnhof, welche aber nur zwei Mal pro Werktag angefahren wird. Über die vor dem Bahnhof liegende Freitreppe erreicht man nach etwa 100 Metern die Haltestelle Freitreppe, welche werktags 45 Mal und am Wochenende 15 Mal bedient wird. Aufgrund der schlechten Lage außerhalb des Stadtzentrums ist für Reisende eine Weiterfahrt per Bus notwendig.
Das erste Bahnhofsgebäude in Apolda wurde gegen 1846 errichtet, brannte aber in der Nacht vom 24. Auf den 25. September 1884 ab. Der Neubau wurde am 1. April 1890 eröffnet. Das Gebäude wurde in einer Stilmischung aus deutscher und italienischer Neurenaissance erbaut und besteht vollkommen aus Sandstein. Es wurde durch kleine Türmchen und Ziergiebel verziert.
Im Zeitraum zwischen 1905 und 1908 wurden zahlreiche Sanierungen und Erweiterungen vorgenommen. So erhielten die Bahnsteige eine Oberflächenbefestigung und eine Überdachung. Desweiteren wurde die Unterführung zwischen den Bahngleisen gebaut.
Während der DDR-Zeit herrschte ein reger Publikumsverkehr auf dem Bahnhof. Viele Pendler nutzten die Züge, um zu ihren Betrieben zu kommen. Die im Bahnhof ansässige Gaststätte der Mitropa war ständig gefüllt. Auch ein in der Wartehalle ansässiger Kiosk war immer gut besucht. Dies lag allerdings nicht nur an den Bahnreisenden, sondern auch an den vielen Arbeitern in den umliegenden Strickerei-Betrieben, die in der Nähe des Bahnhofes ansässig waren.
Nach der Wende änderte sich diese Situation. Durch den Wegfall der meisten Betriebe und der Pendler, ging es mit der Nutzung des Bahnhofes rapide abwärts. Aufgrund fehlender Kundschaft lohnte sich ein Weiterführen der Bahnhofsgaststätte nicht mehr und sie wurde im Jahr 1991 geschlossen. Danach befand sich eine Zeitlang ein Imbisswagen auf dem kleinen Bahnhofsvorplatz. Doch auch dieser verschwand sehr schnell wieder.
Heutzutage wird das Bahnhofsgebäude nur noch von einem Taxiunternehmen und der Stadt Apolda genutzt, die gelegentlich in den Räumlichkeiten Seminare abhält. In der Bahnhofshalle befinden sich ein kleiner Kiosk, der allerlei Reisebedarf und einige Süßigkeiten verkauft und ein sehr spärlich besetzter Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn.
Insgesamt wirkt das Gebäude sehr verlassen. Die Wände sind schmutzig, die Bahnsteige auch. Die Unterführung gleicht einer Kloake. Da es auf dem Bahnhof keine Toiletten gibt, scheinen einige Bahnreisende ihre Notdurft wohl gleich dort zu verrichten. Parkplätze gibt es kaum und sie sind zudem auch noch kostenpflichtig. An sich bin ich als Apoldaer richtig beschämt, wenn ich an den Bahnhof denke. Wenn ich mir vorstelle, dass es das erste ist, was ein Bahnreisender von Apolda sieht, wird mir ganz anders. Der Bahnhof ist alt und ungepflegt. Service gibt es so gut wie keinen. Behindertengerecht ist der Bahnhof auch nicht. Einer Person im Rollstuhl ist es nicht möglich den zweiten Bahnsteig zu erreichen.
Der Bahnhof bedarf einer Vollsanierung und einer Erweiterung, was sich aber aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage und der zweifelslos sehr geringen Nutzung des Bahnhofs wohl als utopisch erweist. Kaum Reisende, kaum Pendler und kein Konzept für eine anderweitige Nutzung der derzeitig leerstehenden Gebäudeteile lassen den Bahnhof immer mehr verfallen. Ich finde das sehr schade, schließlich hat der Bahnhof an sich und die Thüringer Bahn durchaus eine interessante Geschichte und auch der Baustil des Bahnhofsgebäudes ist sehr interessant. Ich für meine Begriffe, habe auch weiterhin ein schlechtes Gefühl, wenn ich an den Bahnhof meiner Heimatstadt Apolda denke.
Bahnhof Apolda1
Ratings
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Accessibility
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"Must See"-Factor
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Budget Friendliness