marKuss
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Eschweiler, Luxembourg
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Auf dem Weg von Heraklion nach Phaestos auf der 97 ist es sehr empfehlenswert eine Besichtigung der Überreste der Hauptstadt der römischen Provinz Kreta und Kyrene, Gortyna mit einzuplanen (Dauer: etwa eine Stunde), fährt man doch beim Eintritt in die Messara-Ebene, kurz nach Agii Deka, automatisch mitten hindurch. Auch machen die öffentlichen Busse die von Heraklion aus in 1 1/2 Stunden Phaestos anfahren nach etwa 1 Stunde hier einen Zwischenstopp.
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Accessibility
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"Must See"-Factor
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Budget Friendliness
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Interessant gleich die richtige römische Zuordnung Kretas zu Kyrene (im heutigen Lybien) und damit zum arabischen Raum. Festlandsgriechen (Mykener, Dorer) haben Kreta zwar erobert und die minoische Kultur für sich vereinnahmt, ja zerstört. Kreta selbst war aber vorher, mit Ausnahme der Kykladen (und vielleicht auch Zypern), dem Nahen Osten, vor allem Ägypten, zugewandt. Auch heute noch sind die Kreter sehr pro arabisch eingestellt. Unsere "griechische" Perspektive ist demnach verzerrt und historisch falsch.
In Gortys unter einer immergrünen Platane (die man heute noch besichtigen kann ;-)) hat Zeus mit seiner jungen aus dem Libanon entführten Geliebten Europa Minos und seine Brüder gezeugt. Minos höchstselbst soll die Stadt, diese ewige Rivalin Phaestos' in der Messara, auch gegründet haben. Mit dem Einfall der Dorer (1100 v. Chr.) wurde Gortys dann zur wichtigsten Stadt in der Messara (mit bis zu mehreren 10.000 Einwohnern) und auf dem nahen Hügel entstand eine ummauerte Akropolis (Oberstadt) dessen Überreste man heute aber nur noch erahnen kann.
Wichtigstes Relikt aus dieser Zeit und der eigentliche Grund für den Besuch ist die 1884 entdeckte "Grosse Inschrift" (etwa 500 v. Chr.), der älteste bekannte Gesetzestext Europas. Er war in die Mauer eines öffentlichen Gebäudes auf dem Markplatz eingemeißelt und ist in altdorischem Dialekt verfasst. Da dieses Gebäudes später teilweise in ein römisches Theater (Odium) miteinbezogen wurden (2. Jh. n. Chr.), sind bis heute große Teile davon (etwa 2 m x 12 m) gut lesbar erhalten. Die Schreib- bzw. Lesrichtung ist "furchenwendig", sprich sie wechselt von Zeile zu Zeile. Erstaunlich der moderne juristische Ansatz etwa beim Scheidungsrecht wo jeder das von ihm eingebrachte und dazu die Hälfe des gemeinsam Erarbeiteten erhält. Auch beim Erbrecht ist Gleichberechtigung oberstes Gebot. Dazu die Unschuldsvermutung bis zum Schuldspruch. Und ich dachte immer das hätte alles erst der "große" Napoleon erfunden. Von wegen!
69 v. Chr. wurde Gortyna dann zur Hauptstadt der römischen Provinz Kreta und Kyrene. Aus dieser Zeit stammt das besagte "Odium", aber auch, auf der anderen Straßenseite gelegene "Prätorium", der Amts- und Wohnsitz des römischen Statthalters (1. Jh. n. Chr.). Hier befindet sich auch der größte Teil der antiken römischen Stadt mit Tempel, Thermen, Amphitheater, usw. Die Ausgrabungen sind aber noch nicht abgeschlossen, so dass dieser Bereich nur von außen durch Absperrgitter betrachtet werden kann.
Gortys war aber auch ein frühes Zentrum der Christianisierung. Bereits 59 n. Chr. hat Apostel Paulus hier gepredigt. So wurde die Stadt bereits im 2. Jahrhundert neben Knossos Bischofssitz auf Kreta und der heilige Titus, ein Schüler Paulus' ihr erster Bischof. Von der etwa 600 n. Chr. erbauten frühchristlichen Kirche zum Heiligen Titus ist der Altarraum noch gut erhalten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich die Überreste der um 500 n. Chr. erbauten majestätischen fünfschiffigen Titus-Basilika, der größten Kretas und mit der größten Griechenlands. In dem nahen Agii Deka (Zehn Heilige) sollen 250 n. Chr. gar zehn Bischöfe den Märtyrertod erlitten haben.
Nach der Teilung des römischen Reiches 395 n. Chr. verlor Gortys unter byzantinischer Herrschaft zunehmend an Bedeutung und wurde nach einem verheerenden Erdbeben 796 n. Chr. und der Eroberung Kretas durch die Araber 828 n. Chr. dann endgültig aufgegeben.
Der Besuch war, aufgrund der großen historischen Spannweite und insbesondere der gut erhaltenen, "neuzeitlichen" Gesetzgebung recht beeindruckend und sollte nicht verpasst werden. Zumal der Eintritt mit 4 € für das Gebotene recht günstig ist. Zu den Eintrittspreisen auf Kreta noch eine grundsätzliche Bemerkung: es gibt hier jede Menge Ausnahmen für vergünstigte Tarife (z. B. über 65 jährige) oder gar freien Eintritt (besondere Tage, unter 19 jährige, Studenten, Journalisten, usw.) so dass es sich auf jeden Fall lohnt die genauen Bedingungen vor Ort zu überprüfen.